Samstag, 1. Mai 2010

Was Du ererbst von Deinen Vätern ...

... erwirb es, um es zu besitzen.
Johann Wolfgang von Goethe

In dieser Geschichte geht es um Neukölln, um Erbe und Erben, Panik, das Web2.0, die Behäbigkeit von Behörden und ein zumindest teilweise glückliches Ende. Am Anfang stehen zwei Nachfahren: C. Deniz K., ein junger Handwerker, und Caroline, eine Dolmetscherin und Autorin. Beide erben - er den Handwerksbetrieb seines Vaters, sie die geschnitzten Stühle ihrer Vorfahren. Weiter geht es aus Carolines Sicht.



Vor zwei Wochen schickte ich über Twitter eine Meldung ins digitale Labyrinth: Suche meine vier geschnitzten Ritterstühle der Tafelrunde. Beim Polsterer sind sie leider "verschwunden". Freundinnen und Freunde schickten diese Message weiter, auch über Facebook sandte ich eine Suchanzeige in die Weiten des Netzes.

Dem war vorausgegangen, dass ich meine alten, geerbten Stühle Schritt für Schritt restaurieren lassen wollte. Sie wackelten, also wanderten sie erstmal zum Schreiner. Sie hatten kaum noch oder schadhafte Polster, also ging's danach in eine Polsterei. Das war Anfang März. Bis Mitte März haben wir gebraucht, um passendes Leder zu finden, das zu einer ultramodernen Liege in meinem Zimmer passt. Dann breitete sich langsam vorösterliche Ruhe über der Stadt aus. Der Handwerker, ein sehr junger Mann, den ich wochenlang durch die Fensterscheibe seiner Werkstatt beim wunderbar kunstvollen Restaurieren alter Sessel beobachtet hatte, schien mir bestens für die Aufgabe geeignet. Ich hatte das Gefühl, dass er sich über den Auftrag zu freute, meinte indes, er hätte viel zu tun dieser Tage. Wir verabredeten uns also für 14 Tage nach Ostern ...
Als ich Mitte April wie vereinbart nach den Stühlen sehen wollte, traf mich der Schlag, als ich mich dem Geschäft näherte: Packpapier klebte von innen an den Scheiben, drinnen rissen Bauarbeiter gerade Wände ein. Die Nachmieter hatten keine Idee, wie ich "meinen" Handwerker würde erreichen können. Also ging ich zur Polizei, die mich aber nicht einmal richtig anhörte, ein Diebstahl sei das wohl nicht, sondern ein Vermögensschaden, ich müsse zu Gericht.

Für mich Nichtjuristin war das ein Schock, der über Wochen neue Nahrung finden sollte: Bis auf eine Person waren in der ganzen Stuhlsucharie seitens der Verwaltung alle gleichgültig, abweisend oder banalisierten meine Erfahrung /(Das ist doch nichts, wenn Sie wüssten, was wir hier sonst für Fälle haben!)
Für Gerichtliches brauch' ich die Anschrift meines Handwerkers, also flitze ich zum Einwohnermeldeamt. Dort die Ernüchterung: Ohne sein Geburtsdatum oder eine frühere Privatanschrift gibt es keine keine Auskunft. Datenschutz! Aber wer fragt schon den gutaussehenden Handwerker bei Auftragserteilung nach seiner Privatadresse, zumal als Frau gegenüber einem Mann? Hier schützte wohl der Datenschutz den Täter vor dem Opfer, mutmaßte ich, worauf die Dame vom Amt nur kühl konterte, dass ich vielleicht etwas überhört hätte und alles doch sicher nur ein Missverständnis sei.

Also schnell zum Ordnungsamt, dort zum Gewerbeamt, Fall schriftlich niederlegen, Antrag auf Einblick ins Gewerberegister stellen (in der Hoffnung auf mehr Daten), dann zurück zum Meldeamt. Bilanz: Viel Wartezeit habe ich auf Ämtern verbracht, bei denen es oft nur noch wenig Informationsschalter gibt, weshalb ich mir mancherorts in Stichworten die ganze Bandbreite der in derlei Bürostuben verhandelten Probleme mitanhören musste. Über zehn Stunden saß ich inmitten von Umzüglern, Leuten, denen die Papiere abhanden gekommen waren oder die ihre Gewerbepapiere verlängern mussten ...
Nun ist es ja nicht gerade so, dass ich keinen Beruf hätte und der nichtvorhandene Beruf auch ganz und gar nicht anstrengend wäre - und von irgendwas musste ich die permanent gebührenpflichtigen Auskünfte schließlich auch bezahlen! Kurz: das Maß meiner Genervtheit stieg mit jedem Tag. Parallel dazu habe ich mit Finanzamt und Handwerkskammer telefoniert und mich selbst auf die Suche gemacht. Nach einer halben Woche hatte ich die Privatanschrift meines Handwerkers, die Anzahl der Informationen, die übers social network reinkamen, überschritt bereits das erste Dutzend.

Also: Der junge Mann hatte die Firma des Vaters vor zwei Jahren übernommen und tragischerweise rasch auf die Hilfe des Vaters verzichten müssen. Nun hat sich seither die wirtschaftliche Situation des Landes gravierend verändert - und trotz der von der Krise beförderten Neigung zu Cocooning, die ich in meinem Umfeld und an mir selbst beobachte, verkaufen sich schwere Stoffvorhänge mit Posamenten, Strukturtapeten und Teppichböden - das schien neben dem Polstern der einträglichere Teil des Unternehmens gewesen sein - an die nach Nord-Neukölln nachziehende Künstler- und Lebenskünstlerfauna nur schleppend. Unsereiner wohnt mit abgeschliffenen Dielen, schlichten Leinenschals fürs Fenster, gern vom skandinavischen Einrichter und Raufaser, pigmentgefärbtem Putz oder der biologisch aktiven Lehmwand.

Und so trudelten die Infos ein: Die Geschäftsaufgabe kam nicht überraschend, dennoch dauerte der Auszug eine Weile. Die Nachmieter haben anfangs noch alte, im Ladenraum verbliebene Polstermöbel an Nachbarn weiterverkauft, oft für'n Appel und'n Ei. Der junge Mann hätte alles Wertvolle eingelagert, wohl zum Weiterverkauf, mutmaßte einer, ein anderer wusste, dass er sich außerhalb des Landes aufhalte.

Meine Panik wuchs stündlich.

Nach den Behördengängen klapperte ich Läden und Trödler in der Nachbarschaft ab, auch Polstererbetriebe, verteilte Fotos der Stühle, verschickte Mails an den jungen Handwerker und an andere Läden, ging auf Flohmärkte und zu den Läden, der derlei im Zwischenhandel 'dealen'.

Dann schrieb ich mit Hilfe meines Lieblingsanwalts einen Antrag auf Einstweilige Verfügung, verlief mich bei Gericht, landete endlich bei der richtigen Stelle, wartete wieder stundenlang an Infostellen und in Gängen, beauftragte schließlich einen Gerichtsvollzieher.Inzwischen hatte meine Mutter Kinderfotos von meinen drei Geschwistern und mir herausgesucht, auf denen die Stühle zu sehen sind. Nun kam die private Ebene meiner Suche. Ich wusste inzwischen, wie ich seine Mutter erreiche, und so bekam sie Fotos mit sehr emotionalen Worten auf der Rückseite: Das Baby auf dem Bild bin ich. Und unsere vier Stühle sind leider ...
Irgendwann klingelte das Telefon, ER war dran, und bat rasch um Entschuldigung. Die Stühle seien eingelagert, wann wir die Übergabe machen könnten. Ich habe weiter nicht nachgefragt, nur gesagt, dass mein Vertrauen zerstört sei.

Gestern war es dann soweit. In einem self storage an der Karl-Marx-Straße fand ich meine Stühle, das Leder und selbst den alten, herausgebrochenen Sitz in der alten fnac-Plastiktüte wieder.
Eine Stunde später suchte ich mit dem neuen Polsterer Ziernägel aus - und, oh Wunder, das Traditionsunternehmen Houlès aus Paris führt immer noch das gleiche Modell der ersten Reparatur, die, wie wir in der Familie ungefähr noch wissen, etwa in den 1920-er Jahren stattgefunden haben muss. Jetzt können wir das möglicherweise besser datieren, vermutlich eher nach 1928, dem Gründungsjahr des Unternehmens für Posamenten, Ziernägel, Kammzwecken und derlei ... Montag rufe ich in Paris an, ob sie ihre Nägel auch noch silberfarben liefern können oder nur in Messing.Wenn die Stühle vom neuen Polsterer zurück sind, gibt's 'ne Stuhlparty! Und ich wünsche trotz allen Ärgers dem Neuköllner Polsterer C.D.K. alles Gute, dass er die Krise als Mensch gut überstehen und an ihr wachsen möge.

Mittwoch, 14. April 2010

DRINGEND GESUCHT: Mein Polsterer C.K.

Da die Sache glimpflich ausging, hab ich den Namen des jungen Mannes abgekürzt und die anderen Suchanzeigen gelöscht.
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Heute veröffentliche ich eine Suchanzeige auf dem Blog der Stadtschreiberin von Neukölln. Hintergrund: Der Kiez gentrifiziert, die Krise hält an und es geschehen merkwürdige Dinge ...

Anfang/Mitte März gab ich vier alte, geschnitzte Stühle zum Restaurieren an einen Polsterer in der Nachbarschaft, außerdem fand ich im Großhandel nach langem Suchen dafür Leder, das zu meinem Sessel passt. Als ich nun wie vereinbart 'nach den Osterferien' die restaurierten Möbel abholen möchte, ist der Laden weg! Packpapier hängt von innen an den Fenstern, die Nachmieter wissen von nichts, außer, dass die Möbel wohl eingelagert sein sollen. Polsterer K. hat keinerlei Nachricht für seine Kunden hinterlassen.

Ich suche also DINGEND C.K., den Polsterer, der in Tempelhof wohnen soll, außerdem seine Handynummer und vor allem seine Wohnanschrift, die ich dringend brauche, um eine einstweilige Verfügung zustellen zu können - und wieder in den Besitz meiner Möbel kommen zu können! C.D.K. hat am 2.1.2008 das Geschäft von seinem Vater E.K. übernommen.

Wem es so wie mir geht, der möge mir mailen an: caroline@adazylla.de
... bzw. mich mobil anrufen unter 0172/4998902

Oder hat jemand zufällig eine Information über den Aufenthaltsort dieses Stuhls und seiner drei Kollegen?


Wer hat noch Ideen, wie ich weitersuchen könnte?

- Ich hab mit dem Finanzamt telefoniert, Ks. Steuernummer steht auf seiner Webseite, da raunte mir eine Dame in den Hörer, dass es wohl keine einfache Sache sei, sie mir aus Datenschutzgründen aber nichts sagen dürfe.
- Ich habe mit dem Vermieter telefoniert, der mir morgen seine Handynummer heraussuchen wird - der Mietvertrag, aus dem ferner die Privatanschrift des Mannes hervorgehen muss, befindet sich leider in der Privatwohnung der Verwalterin, die selbst im Krankenhaus liegt. Serielles Pech!
- Die Nachmieter wissen, dass seine Frau und/oder er in Tempelhof ansässig sein soll(en) und dass er wohl seit Januar über die Kündigung seines Ladens im Bilde war
- Außerdem poste ich Suchanzeigen über Twitter, Facebook, Qype etc.
- Morgen hänge eine Suchanzeige von innen in die Tür des Geschäfts, auf dass wir uns zu mehreren Geschädigten zusammentun können
- Die Handwerkskammer ist informiert, hat aber "vom Gesetzgeber keine Mittel in die Hand bekommen, um in einem solchen Fall etwas zu tun".
- Ich rufe die wenigen anderen Familien mit dem Nachnamen K. in Deutschland an
- Ich gehe morgen zum Bürgeramt/Einwohnermeldeamt in der Hoffnung, seine Meldeadresse zu erhalten
- Mein Anwalt wird dann hoffentlich eine einstweilige Verfügung erwirken ...

- Nachtrag vom 16.4.: Die Meldeadresse von Personen erfährt nur, wer das Geburtsdatum des Betreffenden oder eine frühere Adresse kennt. Wer fragt schon seinen Handwerker nach dem Geburtstag oder der privaten Anschrift, egal in welcher Geschlechtskonstellation?! Die Behörden schicken einen von Pontius nach Pilatus und die Polizei nimmt den Fall auch nicht auf: Es sei weder Raub noch Diebstahl, sondern ein zivilrechtliches Vermögensdelikt, na denn, Prost!

Dennoch: Dank im Voraus für Ihre/Eure Ideen, Hinweise, Tipps ...

Montag, 12. April 2010

Frühling bereits in Kreuzberg gesichtet!

In den letzten Tagen vernahmen wir zunächst unbestätigte Gerüchte, nach denen das Frühjahr bereits in Kreuzberg angekommen sein soll. Nach persönlicher Inaugenscheinnahme der örtlichen Situation gestern Abend können wir sagen: dem ist so! Es ist also nur noch eine Frage von Tagen, und auch wir in Neukölln dürfen erleben, was unseren Nachbarn bereits beschieden ist. Beweisbild anbei!

Sonntag, 11. April 2010

Frühling lässt ... noch auf sich warten


Anfang April haben wir schon den Balkon bestellt - hier wächst indes noch gar nichts (anders als im Gewächshaus auf der Küchenfensterbank).

In der Osterwoche stapften wir dann durch den Harz in Richtung Brocken. Kommentar von Milan, sechs Jahre: "Der Mann von den Büchern, der gesagt hat, dass Ostern kein Schnee mehr liegt, hat sich geirrt!"
Er meint den Geheimrat.

Donnerstag, 1. April 2010

Haben Sie frischen Dorsch?,

fragt eine nette weibliche Stimme am Telefon, "und Sprotten?"

"Nichts davon vorrätig!", kontere ich, noch ehe ich richtig begreife, was da vor sich geht. Ich kürze gerade die ellenlange Begründung eines Preises, in der ich den Aufwand für eine Übersetzerarbeit einschätze und die Gefahren verdeutliche, die mich ein Kunde eingehen lassen möchte, wenn er von mir eine Drehbuchübersetzung inklusive Änderungen im Umfang von 10 % des Ausgangstexts zum leider-leider-Festpreis wünscht und warum ich derlei seit Jahren nicht mehr mache. (Satz zu lang? Macht nichts, die Kundenanfrage war leider eher unsinnig.)

"Was haben Sie denn für Lachs - frischen oder gebeizten?", legt die Anruferin nach. "Hab keinen Fisch!", murmele ich in die Sprechmuschel (die keine mehr ist), stehe auf, verheddere mich in der algen-, äh, ellenlangen Telefonschnur (die längst abgeschafft wurde) und sage: "Verwählt!"

"Entschuldigung, das kann nicht sein", besteht die Anruferin auf der Investition ihrer zehn Telefoncents und liest laut die Koordinaten vom Messbesteck ab, pardon, die Telefonnummer vom Display, ja, zweifelsfrei, das ist meine Nummer, muss ich wohl zugeben, und antworte: "Messfehler, ähh, Schaltfehler, ist zwar meine Nummer, aber nicht der richtige Adressat!", bis ich merke, dass ich in die falsche Richtung gedacht habe, erst Nummer, dann Verbindung.

Eine kurze Navigation im Datenmeer später weiß ich mehr: da hat (außer mir) doch jemand meine Nummer veröffentlicht! Unter seinem Namen! Das hatten wir schon mal, damals hat Onkel Abou Dabou noch in Gemüse gemacht und für sein kleines Lieferfahrzeug wollte mir die Allianz-Versicherung unaufgefordert eine neue Police andrehen!

Ich schnappe nach Luft, ringe um Worte, produziere nur noch Luftblasen. Hilfe!, welch' Welle des Nichtverstehens schwappt mir aus dem Telefonhörer entgegen! Und wenn ich sie mir bildlich vorstelle, meine Anruferin, sie glotzt vermutlich gerade ebenso verständnislos und traurig drein wie der Dorsch, den sie eigentlich kaufen will! Lauch und Sellerie wären mir jetzt lieber! Oder werde ich hier in den April geschickt?

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Mehr zum Aprilfisch hier.

Donnerstag, 18. März 2010

Eisschollen


Zu diesem sensationellen Foto - Danke Matl Findel! - passt ein an dieser Stelle schon einmal veröffentlichtes Gedicht vom 20.3.2006.


endlich frühling

im morgenlicht treiben die letzten schollen
des winters den landwehrkanal hinunter.
auf der größten sitzen zwei enten und
segeln flussabwärts im dunklen kleid.
auf der zweitgrößten sitzt ‘ne möve
und putzt sich ihr gefieder blank.
das weiß ihres kleides schmerzt
meinen müden augen sehr.
die dritte scholle indes ist
nur noch ein splitter.
darüber die weide
trägt plötzlich
zartgelben
flaum.

Fit ins Frühjahr

Was hat da am Ende nicht alles auf dem Eis rumgelegen - nun wird es rausgefischt!
Schön, der Kanal wird wieder in Form gebracht. Nicht nur der.

Freitag, 5. März 2010

Helden!

Sag ich's nicht schon lange, der Bezirk wird im Norden immer französischer! Davon künden nicht nur die französischen Tageszeitungen der U-Bahn-Kiosks, wo die BLÖD und anderer Tabloid-Verdummungssch... nicht mehr im Mega-Stapel aufliegen, sondern geschrumpft durch anderlei Auswahl fast neutralisiert werden.

Und jetzt auch das noch! Ein Café, in dem man gebrauchte französische Bücher kaufen kann, für je nach Erhaltungszustand zwischen 2 und 5 Euro. Die Erklärung auf der Seite des neuen Cafés ist so einleuchtend wie überzeugend (im Hinblick auf meine These): "Weil das Lesen sehr schnell sehr teuer werden kann, wenn man im Ausland lebt." Und jeden Donnerstag gibt es ein französisches Gericht zum Kantinenpreis von 4 Euro.

Und wer in Berlin nicht nur Café crème, weiches Ei zum Ausditschen (oeuf à la coque avec ses mouillettes)
Armer Ritter french version (pain perdu) anbietet, sondern auch Carambar verkauft, dieser Kindertraum-in-Karamel-mit-Plomben-Garantie, der muss schon verrückt sein. Alle geborenen und gelernten Franzosen bekommen beim Ansicht dieser süßen Schrecklichkeit glasige Augen. Oder fast. Jetzt gibt's einen Ort dafür ...

Mehr folgt hier in Kürze nach einem Besuch vor Ort. Vorab schon mal Name und Anschrift des Etablissements: HEROES, geöffnet von 10.00 bis 20.00 Uhr, Friedelstraße 49, (U) Hermannplatz

Donnerstag, 4. März 2010

Täglich heller

Was'ne Binse, täglich heller! Aber bevor um 11 Uhr die Wolke(n) kommen, was ein Berliner Gesetz zu sein schneint, schnell 7.30 Uhr das Ufer fotografieren mit Sonne und allerletztem Schneerand und Zeugs im Gebüsch für eine Stadtreinigung, die dieser Tage kaum nachkommt.

Sonntag, 28. Februar 2010

fast eisfrei

Donnerstag, 25. Februar 2010

Beginn der Schmelze

Mittwoch, 24. Februar 2010

Das Bild zur Jahrezeit

Gesehen in der Reuterstraße (aber derzeit noch mehr Wunsch als Wirklichkeit)

Samstag, 20. Februar 2010

Winter ade!

Jetzt geht's los mit der Schneeschmelze. Aber es wird erstmal hässlich: Der ganze Dreck der letzten Wochen liegt auf der Straße seit Silvester. Und nass wird's ...

Sonntag, 14. Februar 2010

Wieder ein Sonntag auf dem Eise ...

Ist es jetzt schon der fünfte Sonntag mit Eisvergnügen oder erst der vierte?

Letzte Woche habe ich meine Fotosammlung mal hochgeladen, hier:
Berlin, WINTER 2010

Montag, 8. Februar 2010

Plagiat!

Die Blogspace führt in den Köpfen vieler Nutzer zur Aufweichung des Urheberrechts - dies ist die Meinung der ersten und einzigen Stadtschreiberin von Neukölln, die ihren Titel in der korrekten Form vor einiger Zeit durch den Stadtschreiber von Neukölln usurpiert fand! Sei's drum, dieser Tage, Wochen und auch Monate kam ich selbst kaum zum Selberschreiben bzw. protokollierte meine Schwarzbrotarbeit von Schreibtisch und Dolmetscherkabine in meinem Dolmetscher-Weblog.

Jetzt lese und höre ich mich intensiv auf die Wiederaufnahme eines älteren Themas ein, mit dem ich im März dann weitermache, es geht um Lebens- und Arbeitsbedingungen von fürs Kino arbeitenden Dokumentarfilmern, also ein Thema, das auch mit urheberrechtlichen Fragen zu tun hat - und stolpere in den Gazetten überall über die Frage, wo das Zitat aufhört und wo das Plagiat anfängt. Gerade die jüngeren Generationen sind sich dessen oft nicht so bewusst, aktuelles Beispiel die 17-jährige Helene Hegemann und ihr Roman "Axolotl Roadkill".

Was für Nachwuchsautorinnen gilt, stimmt für Nachwuchswissenschaftler allemal. Als Hochschuldozentin hatte ich wiederholt mit Plagiatsversuchen zu tun. In einem anderen Kontext recherchierend, stolperte ich gerade über ein Dokument aus der Universität Hohenheim zum Thema Plagiat.

Aus nordamerikanischen Studiengängen der Informatik kommt das Verfahren der "Prozess-Portfolios" - die Studierenden müssen ihren Weg dokumentieren, die Hausarbeit wird so zu einem Teil der Arbeit. So dass die Dozenten eine Mappe aus Zwischenschritten zur Bewertung erhalten, Themenabgrenzung, Gliederung zu einem frühen Zeitpunkt, später
"eine erste, kommentierte Bibliografie (mit Angabe der Fundstellen und Signaturen); daraufhin eine erste Version des Textes, die von der Lehrkraft kommentiert wird, und schließlich wird der Endaufsatz eingereicht. (...) Hierzu können Screenshots angefertigt werden und es können Probleme dokumentiert werden, die es erlauben, Punkte zu bekommen, obwohl man nichts zum Laufen gebracht hat."
Das erscheint mir eine sinnvolle, machbare Lösung und bricht auch den komplizierten Entstehungsprozess für jene auf sinnvolle Zwischenschritte runter, die vor der Arbeit als großes Ganzes schlicht und ergreifend Angst haben.

Sonntag, 31. Januar 2010

Kanalspaziergang

Seit drei Sonntagen das Eisvergnügen der halben südlichen Stadt: Der Kanalspaziergang! Hüben Neukölln, drüben Kreuzberg und da hinten Treptow, Schlittenkinder, Jogger, Langläufer, Schlittschuhfahrer, Frisbeespieler, alle tummeln sich hier. Mehr Bilder folgen in Kürze.

Donnerstag, 28. Januar 2010

Dienstag, 26. Januar 2010

Sonntag, 24. Januar 2010

Eisbahn

Mittwoch, 13. Januar 2010

Wieder Orange am Ufer ...


... an fast der gleichen Stelle wie vor einem Jahr. Und ja doch, ich hab auch noch etwas anderes zu tun, als aus dem Fenster zu sehen. Wenn ich denn schon mal da bin und dann auch noch zwischendrin Pausen mache, sehe ich halt gern aufs Wasser ...

Parkbank am andren Ufer

Dienstag, 12. Januar 2010

Blick vom Balkon (oder fast)

Sonntag, 10. Januar 2010

Sportlich, sportlich ...

Freitag, 1. Januar 2010

Schwarz/weiß

Sonntag, 20. Dezember 2009

Weiße Pracht

Samstag, 7. November 2009

Freitag, 6. November 2009

Kennen Sie dieses Geräusch?

Wir Anrainer des Landwehrkanals erkennen dieses Geräusch sogar im Schlaf: Der Flug der Schwäne - irgendwas zwischen Südwind und quietschender Wasserpumpe ... unvergleichlich!

Dienstag, 3. November 2009

Nach windigen Tagen

Sonntag, 1. November 2009

Fundsache: Berlin durch französische Augen gesehen

Berlin: kein offensichtliches Goldkettchengeklimper und so wenige Autos mit Allradantrieb.
Vier Tage, und ich habe noch keinen Polizisten auf der Straße gesehen.
Beim Flanieren durch Alleen belästigen mich keine großflächigen Werbebotschaften. Die Stadtmöbel eines Jean-Claude Decaux dominieren nicht die Ästhetik der Straßen.
Und wenn Sie eben erst bemerkt haben, dass Sie sich verlaufen haben, ist schon ein Berliner zur Stelle und hilft weiter.
Wenn in der U-Bahn Ihr Fahrschein kontrolliert wird, stellt sich der Angestellte zunächst mit seinem Arbeitsausweis vor.
Das Foyer der Theater ist eine Agora, jeder hat sein Glas Wein in der Hand und trinkt es womöglich erst im Zuschauerraum aus. Kein (zurechtweisender) Verantwortlicher für Beziehungen zum Publikum zur Stelle, weil hier jeder einzelne verantwortlich ist. Kaum ist das Stück zu Ende, fragt Sie Ihr Sitznachbar, wie es Ihnen gefallen hat. Anderes Detail: Das Theater plant immer drei Monate im Voraus, um Raum zu lassen für das Unvorhersehbare und die Entdeckungen.
Hier ist alles unarrogant. Geld fehlt, das ist offensichtlich. Berlin liegt im Herzen Europas und verkörpert die Werte der Postmodernität: Vorrang für Ökologie, Frieden, Verteidigung der Menschenrechte, Kultur, Offenheit im menschlichen Umgang.

Pascal Bély, Theaterblog

Donnerstag, 29. Oktober 2009

Gelb!

Sonntag, 25. Oktober 2009

Balkonblick: Es geht looos!


... jetzt so richtig, mit dem Herbst

Mittwoch, 30. September 2009

Wieder zuhause

Wenn einer eine Reise tut ... Aber auch Leute, die zuhause bleiben, haben was zu erzählen!

Neukölln sah ich lang nur aus der Ferne, und nun bin ich wieder da. Zunächst habe ich in den Sommerwochen mein Patenkind betreut - und zwar bei sich zu Hause. Es ist schon anstrengend genug für ein Filmleutekind, die schönsten Wochen des Jahres ohne Eltern verbringen zu müssen, weil beide drehen, dann sollte nicht noch ein Wechsel der Umgebung hinzukommen. Dann war ich wochenlang fürs kanadische Radio und Fernsehen unterwegs, recherchierte zu zwanzig Jahre deutsche Einheit und Bundestagswahlen.

Spannend: Viele Themen, die ich in den letzten Monaten für die Kanadier aufarbeite, haben mit Neukölln zu tun. Französische Nachwuchskünstler, die nach Berlin ziehen, weil sie sich hier Ateliers leisten können? Zwischennutzungsagentur Neukölln! Kreative, die spät ihr erstes (und vermutlich einziges) Kind bekommen? Ich finde Nachbarn in Neukölln. Junge Leute, die in Kreuzberg chillen, zu gesellschaftlichen Themen befragt ... und wo wohnen sie? In Nord-Neukölln.

Merwürdig genug, wenn ich dann wie letzten Sonntag in mein Neuköllner Wahllokal gehe, zur Abwechslung mal nicht von Kamera oder Mikro begleitet, und seit langem mal wieder ohne berufliche "Brille" auf der Nase meine Umgebung wahrnehme. Der Schulraum, in dem ich wähle, ist erschreckend leer, die Wahlbeteilung gering. Auf dem Hof diskutieren junge Frauen mit Migrationshintergrund, für welche Partei sie stimmen sollen, die fünf Frauen, von denen zwei Kopftuch tragen, entscheiden sich für "Die Linke". Argument: Das sind die Einzigen, die sich noch Unbequemens zu sagen trauen.

So ganz kann ich meinen Berufsblick nicht aufgeben. Und mit einem Blick in mein Lieblingskino stelle ich wieder mal fest, dass ich in meiner Abwesenheit viele schöne Filme verpasst habe, darunter das Wiedersehen mit vielen Filmen von Agnès Varda. Einer meiner Lieblingsfilme dieser französisch-belgischen Regisseurin heißt "Daguerrotypes", die Typen von der rue Daguerre. Damals hat sie ihre Nachbarn portraitiert, und zwar nur in der Reichweite, die das Stromkabel zuließ, das bei ihr zuhause gespeist wurde. So würde ich gerne mal medial arbeiten: Verweilen und das betrachten, was am Nächsten, Bekanntesten erscheint: die direkte Nachbarschaft!

Mittwoch, 29. Juli 2009

Leben am Wasser



Sonntag, 26. Juli 2009

Private Caféterrasse


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Danke, Tobias, für den Cidre! Er hat uns gemundet!

Mittwoch, 22. Juli 2009

Wasserblick

Das Wasser vor dem Haus kennt viele Freunde: Enten und Schwäne, Spaziergänger und Bootstouristen. Die meisten von ihnen fahren mit den Touristenschiffen am Haus vorbei, manche aber ...


Sonntag, 19. Juli 2009

Die Gegend um den Kottbusser Damm wird französischer

Seit Tagen beobachte ich morgens, dass am Kiosk in der U-Bahnstation Schönleinstraße ein großer Stapel "Le Monde" aufliegt. Das ist neu. Und abends ist er immer weg. Anders gesagt: Es liegen mehr Ausgaben dieser französischen Tageszeitung auf als der Berliner Gazette "Die Welt".
Die Station liegt genau auf der Grenze zwischen Kreuzberg und Nord-Neukölln am Kottbusser Damm.

Dienstag, 7. Juli 2009

Kunst-Sommerakademie im Campus Rütli

Neukölln bekommt eine Kunsthochschule! Eine Kunsthochschule auf Zeit - von den Lernenden selbstorganisiert, eigenwillig und bunt.

Die Interflugs-Academy findet, so der Pressetext, "vom 23. Juli bis zum 13. August auf dem Campus der Rütli, im Jugendzentrum Manege in Berlin Neukölln, statt. Diese "temporäre, autonome Zone" ist die Basis für kollektives Wohnen, Essen, Lernen, Arbeiten, Feiern. Das Ziel ist, zu einer Form künstlerischen Ausbildung zu finden, die kreative Eigeninitiative ermöglicht und frei ist von institutionellen Zwängen."

Da werde ich vorbeischauen, denn auch Vorträge sind geplant. Die angekündigten "künstlerische(n) Strategien zu Krise und Prekarität" klingen spannend.

Montag, 29. Juni 2009

Standbild

Alles fließt (Heraklit).

Auch der Kanal unter meinem Balkon fließt. Ich sitze in der Höh' und lerne Kunstgeschichte und Philosophie, dazu zerreißen die Schreie der Mauersegler die Luft, sie fangen ihr Mittagsmahl.

Da fahren drei Touristendampfer vorbei:

Dampfer eins: ... denn in historischen Zeiten floss alles Abwasser auf die Straße ... James Hobrecht ließ als Berliner Stadtbaudirektor planmäßig eine Kanalisation einbauen, weshalb auch eine Straße auf der linken Seite nach ihm benannt ist ...

Dampfer zwo: Auf dem Schiff fuhr mal eine alte Dame mit, die hier in den 30er Jahren gelebt hat, und sie erzählte, dass sie als Kinder Angst hatten vor der Uferpromenade, weil täglich Wasserleichen rausgefischt wurden: arme Menschen, die ins Wasser gegangen waren, aber auch Opfer politischer Straßenkämpfe ...

Dampfer drei ... ist die Spreeprinzessin. Anwohner erkennen die Dampfer am Klang - und die Spreeprinzessin ist defintiv zu laut, wenn gleichzeitig die Mauersegler vorm Balkon auf Mücken aus sind.

So bilde ich mich, obwohl ich an Ort und Stelle bleibe, in Stadt- und Kunstgeschichte weiter.

Sonntag, 28. Juni 2009

Kulturkiez

Zwischennutzung wird es genannt, aber ich denke, für viele Geschäfte ist es Umnutzung auf Dauer. Denn viele Ladenlokale sind zu klein und können mit der Konkurrenz der Ketten nicht mithalten. Wie dieser Frisör, in dessen Räumen sich heute eine Galerie befindet. Machen wir uns nichts vor: sowohl durch die zunehmende Technisierung, als auch durch die Konzentration der Wirtschaft brauchen immer mehr Menschen neue Betätigungsfelder ... Warum nicht Kunst, Soziales, Bildung? Hier wird alles zugleich gemacht, der Laden liegt gegenüber einer Schule, es gibt Malzirkel auch für 'einfache Menschen' ... (Hab' ob der Fülle der Besuche vergessen, aus welcher Straße das Foto stammt ... Ist hier vielleicht die Galerie "Donauwelle" aus der D-Straße abgebildet?)

Das Kunst- und Kulturfest 48 Stunden Neukölln bedeutet die Qual der Wahl: Balladen auf dem Hinterhof, handgekurbeltes Kino am Richardplatz, Choreografie in freier, üppiger Natur, Fotografie, Collagen und Malerei dort, wo früher Bier gebraut wurde, einen kleinen Schlenker am Comenius-Garten vorbei, der wegen des großen Ansturms derzeit geschlossen hat und sonst ein Geheimtipp ist - dazu nicht nur viele kleine Lädchen mit Ausstellungen, Lesungen, Musik, sondern auch andere, ungewöhnliche Orte: Det is Neukölln, und zwar länger als 48 Stunden lang ...
Meine anderen Fotos von "48 Stunden" hier: klick!
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Danke, Jan, für das Foto ...

Freitag, 26. Juni 2009

48 Stunden Neukölln


In Neukölln steppt zum elften Mal der Impro-Lesung-Foto-Führung-Tanz-Filmabend-Stimmen-und-sonstwas-Bär. Der Norden Neuköllns, mein Kiez, liegt im Focus. Ein wenig erschrocken war ich denn schon, als ich die Überfülle der Angebote las: mehr als 1000 Filmschaffende, Künstler, Sänger, Schauspieler, Maler, Stadtführer, Schneider, Köche und was das Herz der Kulturflaneure mehr begehrt bespaßen an über 255 Standorten ihr Publikum. Freitag geht's los, Sonntagabend klingt es aus - 48 Stunden Neukölln ist Berlins größtes Kunst- und Kulturfestival.

Drei Orte werde ich aufsuchen, mich von dort aus weiter durcharbeiten - einen Stadtplan mit den Veranstaltungstipps gibt es überall, wo das Logo zu sehen ist.

1. Rue Bunte, Karl-Marx-Straße 177 - im Hof gib's gleich bei Einbruch der Nacht Gesang. Bärbel, die mit ihren Freunden aufspielen und -singen wird, hab ich in Kreuzberg in der Regenbogenfabrik kennengelernt und bin schon ganz gespannt.

2. Kunst in der früheren Kindl-Brauerei - das Gelände will ich entdecken, und mir dabei alles ansehen und hören, was zeitgenössische Kunst zu bieten hat. Werbellinstraße 50. Dort gibt es auch viele Malerateliers ... Was mein Stichwort ist für

3. Mareschstraße 15 - hier sind seit Jahresanfang vier französische und ein englischer Maler dank der Zwischennutzungsagentur untergekommen. Ich war erst vor einer Woche bei Ihnen, zusammen mit kanadischen Journalistenkollegen, wo wir einen Beitrag für Radio-Canada TV gedreht haben. Das Atelier war fast leer, weil am Abend eine Vernissage stattfand. Jetzt will ich mehr sehen.

48 Stunden Neukölln? Nix wie Hin, nach Rixdorf und Co.!

Sauerstoffschiff

Ab und zu fährt das Sauerstoffschiff über den Kreuzberger Landwehrkanal. Früher dachte ich, das findet einmal in der Woche statt. Früher ging ich mehr aus - was ich auch jetzt phasenweise viel tue.

Derzeit aber nicht. In diesen Tagen wird jede Nacht frischer Sauerstoff in den Landwehrkanal gepumpt. Jede. Heute Nacht sogar zwei Mal, halb zwölf und jetzt, halb ein Uhr in der Früh, fährt es unter meinem Fenster vorbei.

Ist das Wasser schlechter als sonst - oder meine Wahrnehmung genauer?

Sonntag, 21. Juni 2009

Endlich Sommer!


Freitag, 19. Juni 2009

Französische Maler in Neukölln

Mit zwei Journalistenkollegen von Radio-Canada bin ich unterwegs und zeige: Nord-Neukölln. Wir besuchen ein Maleratelier südlich der Sonnenallee, das in einem früheren Ladengeschäft eingerichtet ist. Einer der Mieter ist Cyril Aboucaya. Er kam mit einem DAAD-Stipendium in die Stadt und findet, dass man in Berlin kreativ sein könne - und seine Ideen auch umsetzen - und dass einen niemand daran hindere, wie es in anderen Städten der Fall sei. Ob er nach Ablaufen seines Stipendims bleibt, weiß er nicht, Lust darauf hätte er.

"Es kommen viele her, aus unserem Jahrgang an der Pariser Kunsthochschule sind es etwa 10 %", bestätigt auch Malerkollege Renaud Perriches, und ergänzt: "Alle Naslang treffe ich jemanden, den ich aus Paris kenne, denn das betrifft nicht nur unseren Jahrgang", sagt er, der am Abend selbst in der "tape gallery" an einer Gemeinschaftsausstellung beteiligt ist. "So, wie ich hier arbeite, könnte ich es in meiner Heimat nicht. Für das Geld, für das ich in Paris mir wenige Quadratmeter Atelier anmieten kann, habe ich hier 150 Quadratmeter" ... die er sich mit vier weiteren teilt. Insgesamt sind sie also fünf, vier aus Paris, einer aus London.

"Berlin ist eine Laborstadt", ergänzt Cyril, "die Menschen sind hier offener als anderswo". Und Neukölln? "Wir wohnen fast alle in der Nähe. Es ist toll hier. Überall ziehen Künstler hin, machen Bars auf oder schöne Cafés", findet Aude Parisot, die einzige Frau der Gruppe. Man sei übrigens keine Künstlergruppe, betonen die jungen Künstler, die alle erst vor wenigen Jahren ihr Studium beendet haben, aber inhaltliche Nähen gäbe es schon. "Natürlich tauschen wir uns intensiv aus, regen einander an. Die künstlerische Entwicklung der einzelnen geht dadurch auch schneller", schließt Renaud, und muss dann noch etwas organisieren. Wir verabreden uns für den Abend auf der Vernissage."Seit wir hier angekommen sind, sind in der gleichen Straße fünf weitere leere Läden bezogen worden, darunter ein Bioladen", kommentiert Aude noch unsere Fragen zum Kiez. Für einen solchen Laden muss ja eine gewisse Klientel da sein ... Die Rechnung des Rathauses scheint aufzugehen. Denn vermittelt wurde die Räumlichkeit von der Zwischennutzungsagentur, die zwischen Mietinteressenten und Hauseigentümern vermittelt, die eine günstige Miete und Nutzung dem Leerstand vorziehen.

Donnerstag, 11. Juni 2009

Wetter

Samstag, 9. Mai 2009

Grüner Vorhang

Montag, 4. Mai 2009

Nicht die Klientel

Wer viel zuhause arbeitet, kann nicht viel über draußen berichten. So geht's mir derzeit. Außerdem ist NN - das Kürzel steht für Nordneukölln - oder KK - hier sind wir in Kreuzkölln - derart zum Modethema avanciert, dass es mich langweilt.

Aber neulich beim Karstadt am Herrmannplatz: Nach einigen Jahren der Fast-Abstinenz will ich auch bei mir guten Espresso trinken. Die raumgreifende Espressomaschine wünsche ich mir nicht, die ist erst vom ersten Filmfördergeld dran, das ist ein alter Schwur. Also schau ich nach schlanken Geräten für den Herd, die möglichst gutes Design haben sollen, weder überteuert noch aus Aluminium sein dürfen, da Aluminiumoxyd im Verdacht steht, Alzheimer befördern zu können.

Die Kanne fand ich, jetzt fehlte noch die elektrische Kaffeemühle. Hier bin ich zwischen den Regalen eines der größten Berliner Kaufhäuser tüchtig erschrocken: Die Dinger sahen allesamt aus wie eine Kreuzung aus Spielzeugraumschiffen und Laser-Brillenreinigungsgeräten, eins schlimmer als das andere. Als ich nach einem kleinen Gerät fragte, hieß man mich einen Augenblick warten, da gebe es noch was im Lager - und kam mit dem Modell wieder, das meine Oma einst in der Küche stehen hatte!

Auf die Frage, ob es nicht auch Mühlen in ähnlich schickem Design wie Espressokocher gebe, sagte die Verkäuferin: "Schauen Sie doch mal im Internet, da werden Sie sicher fündig! Aber hier bei uns nicht, wir haben hier nicht die Klientel für sowas!"

Sonntag, 12. April 2009

Durchblick

Freitag, 3. April 2009

Sauber!

Bei meinen nächsten Uferfotos muss ich nicht mehr den "Online-Fotoshop" bemühen, gerade machten sich etliche orange Männer mit viel Lärm über die Gehwege und Grünflächen her. Wie passend zu meinem letzten Eintrag!

Mittwoch, 1. April 2009

Ufer müllfrei

Eine spezielle Hundestaffel der Berliner Polizei hat ihre Hunde auf das Apportieren von Müll trainiert. Heute kam es vor der Regionalpresse zu einer öffentlichen Vorführung am Neukölln-/Kreuzberger Landwehrkanal. Das Ergebnis überzeugt selbst Kritiker und Freaks, die bislang meinten, der Müll sei gerade recht, um die Gentrifizierung des Ufers zu verlangsamen.