Mittwoch, 4. Juli 2007

Gefällt!

Am Maybachufer, direkt in unserer Nachbarschaft, wurden heute drei Bäume gefällt. Es waren drei Euramerikanische Hybridpappeln, sie standen sehr dicht am Wasser und waren sehr hoch. In ihnen nisteten Vögel, die Grillen waren dort auch zu Hause und im Spätsommer sammelten sich dort Vögel für den Flug in den Süden.

Sie standen so dicht an der Mauer, dass ihre Wurzeln bei einer Mauersanierung verletzt worden wären. In der Reihe stehen jetzt nur noch 'normalhohe' Bäume, das Ufer ist lückenhaft.

Es hat mir physisch wehgetan. Zugleich sehe ich, dass die Nachbarn bis zum 3. Stock jetzt mehr Licht in den Balkonzimmern haben.

Es wurden indes heute auch Bäume abgesagt, deren Zukunft nicht so düster gewesen ist wie die der Pappeln. Was mich wütend macht, ist, dass die Fällaktion mit 150 Polizisten abgesichert und dass zu nämlicher Stunde im Wasserschutzamt weiter offiziell verhandelt wurde. Man verwendet die Mechanismen der Demokratie, um unter Polizeischutz Verhandlungergebnisse vorwegzunehmen. Einer zynischere Form der Demokratiesimulation gibt es kaum.

Die Herren und Damen Regierenden lade ich herzlich dazu ein, sich die Kommentare der Kids im Kiez mal anzuhören, die das Treiben durchschauen. Wie sollen die zu Verteidigern der Demokratie heranwachsen?

In den Medien werden derweil die wackeren Reedereichefs vorstellt und ihr Bemühen, Arbeitsplätze zu erhalten. Ihre Situation tut mir aufrichtig Leid und auch, wie hier Bevölkerungsgruppen gegeneinander ausgespielt werden. Man spielt Schach mit uns, und die Journalisten scheinen mitzumachen. Das Argument der überhöhten Geschwindigkeit, der explosionsartigen Zunahme des Fährverkehrs in den letzten zehn Jahren, das den Verfall der vernachlässigten Ufer beschleunigt hat, steht fast nirgends mehr zu lesen.

Ein Kompromiss bestünde sicher auch darin, dass die Wasserschutzpolizei hier die Überwachung der Höchstgeschwindigkeit wieder einführte, denn das schützt vor weiteren Uferunterspülungen. Anstatt sich auf die "Verursacher zweiten Grades", die schweren Bäume, zu stürzen. Für deren Fällung plötzlich Gehälter von Polizisten aufgewandt werden.

Und wie gehen Paris oder Amsterdam mit dem Problem um? Hier sind unsere unterbezahlten Journalisten meist nur noch Résuméschreiber und Anrufer in einem Land, einer Sprache. Nicht ihnen gilt der Vorwurf, oder ihnen nicht allein: Auch hier Fehlinvestitionen, wenn wie in den audiovisuellen Medien die Verwaltungskosten explodiert sind und die Honorare gekürzt werden.

Vom Balkon am Maybachufer aus sehe ich die großen Zusammenhänge, die Kollision der Interessen, Machtverteilung und -missbrauch, geringen Respekt vor schützenswerten Gütern: Demokratie, kindlichem Zukunftsoptimismus, Natur und Informationsfreiheit.

Das gefällt mir alles gar nicht.

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