Mittwoch, 11. März 2009

Nix mehr zu bewerben

Seit Beginn der Krise sind auf dem U-Bahnhof Schönleinstraße die Werbeflächen leer und künden schmutziggrün davon, dass hier in der Nachbarschaft vermutlich überdurchschnittlich viele Menschen leben, die wenig Wert auf Werbung legen, da sie ohnehin nicht viel mehr als das Nötigste kaufen.

Das Beweisfoto wird nachgeliefert. Pointe vielleicht auch, so mir eine einfällt. Was könnte wer auf diesem schmuddeligen Bahnhof zu bewerben haben?

Freitag, 27. Februar 2009

Garantiertes Geschäft in der globalisierten Krise

Wie die Presseagentur dpa heute berichtet, erwägt der Billigflieger Ryanair eine Toilettengebühr an Bord ihrer Maschinen zu kassieren. Gegenüber der BBC verteidigte Ryanair-Chef Michael O'Leary das Vorhaben, das nur dazu diene, die Flugtickets billig zu halten. Gedacht sei an ein Pfund - offenbar ganz gleich, ob kleines oder großes Geschäft.

Non olet.

Dazu fällt mir 'ne Karikatur ein: Die Klofrau sitzt beim Billig-Airliner vor dem Cockpit mit der Legende:

"Globalisierung für alle: Karriere mit garantiertem Aufstieg, flexible Einsatzorte."

Liebe Karikaturisten, zeichnet das doch bitte mal (dürft mich gern als Ideenlieferantin erwähnen).

11.3.2009: Das Wunder geschieht, die Karikatur kommt per Mail. Urheber: Florian von Ploetz, privat auch ein Neuköllner. Merci beaucoup ! Schön, Dich/Sie kennenzulernen!

La mondialisation pour tous : Carrière professionnelle avec avancement garanti, lieux d'intervention alternants.

(Zum Vergrößern auf das Bild klicken / cliquez sur l'image pour agrandir )

Dienstag, 17. Februar 2009

Etliche Zentimeter

Sonntag, 1. Februar 2009

Hochwohlgeboren

Ein Neukölln-Brunch unter Freunden führt uns zum Thema der sozialen Schichten. Neukölln steht ja nicht gerade im Ruf, ein besseres Viertel zu sein, und so erwarten wir als Eva, eine Freundin, die als Lehrerin im Kiez arbeitet, zu erzählen anfängt, eher die üblichen Stories. Doch weit gefehlt. Der Norden Neuköllns wird für französischsprachige Menschen immer attraktiver - deutsch-französische Schulen, wie es sie sonst nur im Westen des Westens oder im französischen Sektor hoch im Norden Berlins gab, gibt es jetzt auch hier.
Wir hören es alle: auf der Straße, auf dem Markt und in den Kneipen wird mehr Französisch gesprochen. Es sind weniger die Franzosen aus den Bereichen Botschaft, Kulturinstitut oder Uni, die zu uns in den Kiez ziehen, dafür aber Menschen aus der Frankophonie, also aus Afrika, Kanada, Belgien, auch ein paar Schweizer sind dabei. Oder eben nicht gerade auf Rosen gebettete Künstler mit französischem Hintergrund, deutsch-französische Paare, insgesamt also mehr Kulturschaffend als Kulturverwaltung.

Und so berichtet Eva von französischen Filmemachern, Bildhauern und verarmtem Adel. Dass Adelstitel lediglich ein Namensbestandteil sind, hat sich unter jenen Menschen nicht immer herumgesprochen ... und so kommt es im Sportunterricht zu Sätzen, von Eva überliefert, à la "Eure Hoheit, bitte springen Sie über den Bock!" Eine Dame, die von den Lehrerkollegin nur "die kalte Comtesse" genannt wird, verhalte sich noch heute so, als müssten sich Amme und Hauslehrer ihrer Brut annehmen: Äußerst distanziert, den eigenen Kindern gegenüber, karg in der Zuwendung, mehr auf die eigene haarspraygefestigte Fönfrisur bedacht als auf das Wohl der Kinder.

Naja, Idioten gibt es in allen Schichten und Ständen. Und die französischen Schulen im Viertel haben jetzt dazu geführt, dass wir auch noch jenen Teil der Gesellschaft 'mitbekommen', der nicht von des Zweifels Blässe ob der eigenen Superiorität angekränkt ist. Kurz: Derlei nennt man einen Überwertigkeitskomplex, un complexe de supériorité, Madame !

Und wenn dann der junge Graf zusammen mit Ali oder Ugur krumme Dinger dreht und beide vor Gericht das gleiche Maß an Sozialstunden aufgebrummt kriegen, ist die Gleichberechtigung des Adelsstandes endlich vollbracht.

Endloser Winter ...


... mit Neuschnee.

Montag, 26. Januar 2009

orange

Sonntag, 18. Januar 2009

Promenade

Es ist normal, hier regelmäßig ein déjà-vu zu haben, wenn ich jeden Tag fast den gleichen Ausschnitt meines Balkonblicks poste. Mich überrascht seit Jahren jeden Morgen, dass das Wasser anders aussieht. Das ließ ich mal in Gegenwart lieber Mitmenschen fallen, so kam es zu dieser Reihe. Wer eine kurze Reise in den Sommer machen möchte, suche rechts in der Spalte nach der Kategorie "Balkon".

Freitag, 16. Januar 2009

Straßenlaterne

Donnerstag, 8. Januar 2009

Morgenrot

Mittwoch, 7. Januar 2009

Eis


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Letzte Nacht waren es in Teilen Berlins um die - 20° C.

Sonntag, 4. Januar 2009

Null Grad ...

... ist es vielleicht über dem Hausfirst. Im Hof tropft das Wasser vom Dach. Zur Kanalseite liegt weiterhin der Schnee, ebenso an der Uferpromenade, auf den Bäumen und Büschen.

Wie immer ist es an der Wasserseite ein paar Grad kälter - Alltag im Haus am Landwehrkanal.

Samstag, 3. Januar 2009

Wärmend


Bildung hilft - und Glaube hilft hier offenbar auch.

Freitag, 2. Januar 2009

Wetter

Sonntag, 14. Dezember 2008

Lichterfest

Ende Oktober hat ein Nachbar die Lichterkette um die Mini-Koniferen im Blumenkasten geschlungen. Ab Mitte November, wenn ich im Buchladen ein Buch erwerbe, höre ich die Frage: "Dürfen wir es Ihnen als Geschenk einpacken?" Derlei wird ab Ende Dezember sonst nie gefragt ... Am 2. Dezember bereits, ich weiß es noch genau, es ist ein Dienstag, wünscht mir eine Verkäuferin beim Überreichen von erworbenen Alltagsdingen "Schöne Feiertage!" Eine nicht bestellte Telefonverkäuferin sagt dann am 10.: "Dann wünsche ich ihnen noch eine schöne Weihnachtszeit!"

Mal unter uns, wir haben jetzt allenfalls Vorweihnachtszeit und Weihnachten beginnt in gerade mal 10 Tagen. Mich nervt die allgemeine Weihnachtshysterie jedes Jahr mehr.

Kerzen liebe ich, Licht in der dunklen Jahreszeit auch. Außerdem beschenke ich sehr gern meine Lieben und lass' mich auch gern beschenken, aber dieses Gemütlichkeits-Kitschseelenfutter als kollektiver Konsumanreiz empfinde ich als Zumutung.

Liegt es am allenthalben beschworenen "Krisenjahr 2009"? Nochmal die rasche Mark machen, bevor die Lichter ausgehen? Das Wort "Lichterfest" hatte ich mir immer anders erklärt.

P.S.: Was ich einmal las, dann aber nie wieder, Stichhaltigkeit ist also zu überprüfen: Eine elektrische Weihnachtslämpchenschnur an Balkon oder Ladengeschäft solle allein im Monat Dezember so viel wie ein Kühlschrank das Jahr über verbrauchen.

Mittwoch, 10. Dezember 2008

Jimmy Woo

Seit mehr als anderthalb Jahren gibt es das vietnamesische Restaurant in der Friedelstraße schon, und mehr als die rasche Tom Kha-Suppe hatte ich dort noch nicht probiert. Bis gestern. Wir kommen am frühen Abend, es ist noch fast leer, und auch, als langsam immer mehr Leute kommen, wirkt der Raum nicht überladen. Die Ausstattung ist mit den Bordmitteln entstanden und sympathisch - und hat einige Gimmicks aufzuwarten wie den von innen erleuchteten Bilderkasten, der fast die ganze Längswand einnimmt.

Das Essen kommt rasch und überzeugt beide Testesser. Die Tofu-Spieße der Tom Kha-Suppe sehen zwar sehr nach Geflügel aus, aber sind schön kross. Die Frühlingsrollen sind drei an der Zahl, dazu drei Saucen, die Rollen sehen eher wie "Wraps" aus, munden meinem Gegenüber aber. Don, der lange in Manhatten lebte, meint denn auch, das kleine Restaurant könne sich ebensogut dort befinden. Dann essen wir leckerste Ente und gebackene Ananasscheiben mit parfumierter Honigsauce. Wir werden wiederkommen.
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Jimmy Woo, Friedelstraße 24, 12047 Berlin, keine Bank- oder Kreditkarten

Dienstag, 9. Dezember 2008

Ohne Preisaufschlag

Heute Morgen ist die Stimme freundlich und bestimmt. Und damit ist sie anders als sonst.

Die Stimme kam automatisch mit dem rosa T ins Haus. Sie nennt sich Box, ist aber unsichtbar. Sie muss eine Art guter Hausgeist sein, denn zu ihren ganz eigenen Zeiten ruft sie mich einfach so an. Ich bin vor einem halben Tag nach Hause gekommen, und nun lässt sie mich wissen, wer für mich angerufen hat. Den Zeitpunkt dazu entscheidet sie nach Gutdünken, unvermittelt. Es kann also passieren, dass sie mich nicht mag, dann erfahre ich erst beim nächsten Besuch von Haus und Geist, wer mich in den letzten Tagen oder Wochen zu erreichen versucht hatte.

Die Stimme zog bei mir ein zusammen mit der komischen Magentafirma, und ihre Befehle waren klar, eindeutig und manchmal streng. Ihre Art, mich zu tadeln, ging schon nahe, wenn sie zum Beispiel sagte: "Sie haben eine falsche Kennnummmer eingegeben. Geben Sie ihren PIN jetzt ein und drücken Sie auf die Rautetaste!"

Die Stimme ist weiblich, irgendwie nicht nett und mindestens sechs Jahre alt, denn sie stört mich am Sonntag morgen nie vor neun, das können Kinder nicht, die noch zu klein sind für die Schule.

Und nun gibt es eine neue Stimme. Sie ist gleichermaßen freundlicher und bestimmter. Dass sie neu ist, höre ich sofort, und Bestätigung erfahre ich, als ein völlig neuer Satz zu hören ist: "Den Gesprächspartner erreichen Sie mit der Sieben ohne Preisaufschlag!"

Ja, wie? Hab ich da jedes Mal einen Preisaufschlag bezahlt? Ich dachte, ich zahle schon für die Geisteranrufe? Liebe Magentafirma, ich fürchte, mir reicht's und der Hausgeist wird bald ausziehen müssen. Zumal ich endlich wieder beim Nachhause Zahlen sehen will: Fakten, die mir freudig entgegenblinken, eindeutig tiefrot: "3". Das bedeutet ohne strenge Säuselstimme: "Sie hatten drei Anrufer!" Die kann ich auch nachts abhören und schon seit eh' und je ohne Aufpreis zurückrufen.

Das könnte ich Ihnen auch selbst sagen, freundlich und bestimmt, Ihre Stimme hab' ich ja im Ohr.
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Ein anderes merkwürdiges Telefonereignis hier.

Sonntag, 23. November 2008

Wintermorgen am Maybachufer

Zwischen dem Herbst- und dem Wintermorgen habe ich fünf Dolmetscheinsätze und 655,2 Kilometer zurückgelegt. Ich fühle mich wie der Indianer, der am Schienenstrang der Eisenbahn hockt und darauf wartet, dass seine Seele nachgereist kommt: Die Stimme ist heiser, für den Rest des Tags halt ich die Klappe. Basta.

Mittwoch, 19. November 2008

In der Rütli-Schule

Ich wohne gern in Neukölln. Und gestern habe ich die Rütli-Schule besucht. Richtig, das ist jene Schule, die nach einem Brandbrief der Lehrer ab März 2006 als "unregierbar" in den Gazetten zitiert wurde.

Das ist lang her. Derzeit steigt der Bildungsstand Neuköllns dramatisch: Es ziehen immer mehr Studenten, Künstler und Besserverdienende her. Die Frühphase dessen, was Gentrifizierung sein kann, führt dazu, dass der Berliner Stadtteil keinen so ganz schlechten Klang mehr hat wie noch vor wenigen Jahren. Als vor kleinen Ewigkeiten meine Dolmetscherkollegin Kerstin und ich völlig unabhängig voneinander nach Neukölln zogen, war unser jeweiliges Umfeld entsetzt. Aber der Bezirk ist groß, wir wohnen in der "schicken" Ecke, da haben sich alle rasch wieder abgeregt. Aus der Presse und über Nachbarn sind wir so einigermaßen auf dem Laufenden, wie das Leben im Viertel aussieht. Dachten wir. Bis wir dieser Tage einen spannenden Dolmetschauftrag bekamen - wir dolmetschten bei der mehrtägigen Begegnung von Sozialarbeitern, Polizisten, Lehrern und Sozialarbeitern aus Clichy-sous-Bois und Neukölln. Das französische Clichy ist 15 Kilometer von Paris entfernt und zählt zu den Problemvororten - und aus Pariser Perspektive ist Neukölln Vorort.

Die Schwierigkeiten, auf die man in beiden Ortschaften trifft, ähneln sich, aber die Strukturen beider Länder, der Verwaltungen und Schuleinrichtungen nicht. Dennoch suchen nun alle gemeinsam nach den besten bereits umgesetzten Modellen, um auch jenseits des Rheins den Bildungsstand anzuheben, entwickeln in Kooperation miteinander neue Projekte.

Solange alles auf der Arbeitsebene stattfindet und keine offiziellen Statements gegenüber der Presse gegeben werden, muss hier die Dolmetscherin schweigen. Aber die Gespräche und Begegnungen in der Europäischen Akademie, in der Rütli-Schule und anderenorts waren spannend - und außergewöhnlich. Selten hatte ich als Dolmetscherin so stark das Gefühl, vom Thema betroffen zu sein, und sei es auch nur als Nachbarin, wie dieser Tage. Und selten habe ich mit Kerstin so viel mitgelitten wie am 18., als Aleksander Dzembritzki, Leiter der Rütli-Schule, voller Elan und Mitteilungsdrang sämtliche Schnellsprechrekorde brach, so dass Kerstin immer lauter wurde, worauf er sich sicherlich wie ein Getriebener vorgekommen sein muss, was ihn noch schneller werden ließ ... Das ist die Besonderheit der mobilen Dolmetschanlage: Wir Dolmetscherinnen stecken nicht im Kabuff, sondern sind mittendrin.
Auch die anderen Tage waren Viel- und Schnellsprechtage. Am Ende war ich heiser, was ich gerne für 24 Stunden als kleinen Schaden mitnehme, sollte es mir gelungen sein, meinen kleinen Beitrag dafür zu leisten, dass Neukölln nicht mehr auf noch mehr Zuzug gebildeter Kreise warten muss, sondern möglichst rasch aus eigenen Kräften die Bildungsquote im Kiez deutlich verbessert. Ja, ich weiß, Bildung braucht Zeit, man wird ja noch träumen dürfen. Aber kein Traum ist, dass hier offenbar ein neuer Ansatz verfolgt wird, der sich schon mittelfristig auswirken könnte. Wir hoffen, alle Beteiligten nächstes Jahr in Clichy-sous-Bois wiederzusehen.

Sonntag, 16. November 2008

Herbstmorgen am Maybachufer

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Mittwoch, 5. November 2008

Obamania

Im zweiten Untergeschoss von Berlin-Neukölln stehen zwei junge Türkinnen, so um die 17 Lenze, eine davon trägt Kopftuch am Kiosk der U-Bahn-Haltestelle Herrmannplatz. Sie sehen aufs BZ-Titelblatt, in dem der über den Tod der Großmutter trauernde künftige US-Präsident abgebildet ist. "Ooooch, wie süüüüüüß! Obama mit Trääänen! Du, den kauf' ich uns jetzt!"

Popstar B.O. Vielleicht hilft's ja, die eine oder andere für Politik zu interessieren.