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Freitag, 17. Mai 2019

Stinkbomben

Nein, ich halte mich nicht für spießig. Aber vielleicht bin ich das sogar.

Am Maybachufer zu wohnen bedeutet, normalerweise in den Genuss guter Musik zu kommen. Seit die Stunden vorne am Markt (jeden Dienstag und Freitag) begrenzt worden sind, sitzen zwischendurch allerlei Leute mit ihren Klampfen, Schlag- oder Klingelgerätschaften vor dem Fenster auf der Bank und machen Töne.

Laute, leise, regelmäßige, stundenlang sich wie­der­ho­len­de Töne. Heute einer, der sich den halben Vormit­tag einer Art metallene Klapper vor den Bauch hält und die­se rüt­telt. Es ist, als würde eine Straßenbahn im Dau­er­klin­gel­mo­dus vor dem Haus stehen.

Bitte nicht missverstehen: Ich liebe gute Musik und gebe Straßenmusikern gerne was. Aber hier ver­sucht je­mand, Kun­den für sein Kunsthandwerk an den wild auf­ge­stell­ten Ta­pe­zier­tisch zu locken.

Wo gibt es außerhalb der Karnevalssaison eigentlich Stinkbomben?

Freitag, 26. April 2019

Rumschrömmeln

Frage: Warum müssen manche Leute ihre Uraltgitarre ans May­bach­ufer ausführen und ihr dann die ver­meint­li­che Ehre antun, auf ihr öffentlich rumzuschrömmeln?

Hintergrund: Früher gab es vorne am Markt eine Art Bühne, auf der Profimusiker spielten. Manche Anwohner haben dafür gesorgt, dass nur noch zu begrenzten Zeiten gespielt werden darf. Stattdessen setzen sich Ama­teure auf den Weg Richtung Markt auf die nächst­beste Parkbank. Und die steht aus­gerechnet unter meinem Fenster.

Antwort: Weil der Probenraum Geld kostet.

Mittwoch, 28. März 2018

Postmurks, die Zweite

Gestern ging ich einen Stoffladen in der Nachbarschaft: Ich suchte einen kleinen Rest Chif­fon­stoff, um mein Lieb­lings­­som­mer­kleid repa­rieren zu lassen, in das ich mir letztes Jahr ein Löchlein gesessen hat­te auf einer der ab­ge­rock­ten Berliner Park­bänke.

Passender Stoff ward flugs gefunden, von passender Webdichte und in einem Farbton, der im sonst bun­ten Kleid auch vor­kommt. Ich wür­de mir, das war der Plan, von der bekopf­tuch­ten Schnei­de­rin in der Rei­chen­ber­ger vier sehr lang­ge­streckte Drei­ecke in den locker fal­len­den Rock­teil setzen lassen, der dann etwas glockiger wirken würde als zu­vor, und schon hätte ich mit Schnei­der­kos­ten von 20 Euro ein neu­es Kleid. (Das Ist die Neu­kölln-Kreuz­berger Rest­nut­zungs­öko­no­mie.)

Der Stoff war ein Schnäpp­chen. "Drei Euro!", raunte mir der dunkel­haa­ri­ge, dunkeläugige Verkäufer zu. Ich reichte mein Geld, einen größeren Schein, ich war gerade bei der Bank gewesen. Der Mann zog die buschigen Augen­brauen zu einem durch­ge­hen­den Strich zusammen und fragte in bestem Berlinisch: "Willste mir veräppeln?"

Er bat mich um meinen Namen, drückte mir den Stoff in die Hand, rief mir ein fröhliches "... bis die Tage!" zu, gefolgt von einem barschen: "Halt!"

Ich war bereits auf dem Weg zur Tür gewesen, drehte mich um, war versucht, die Hände über den Kopf zu heben, so sehr im Befehlston war seine Ansage: "Halt, Hände hoch!"

Nein, doch kein Hände hoch. Er wiederholte lang­sam meinen Namen. "Ich hab was für Dich!" Er eilte ins Hintergelass in dem sich, das konnte ich sogar von der Tür aus erkennen, Kartons von un­ter­schied­li­cher Größe bis zur Decke stapelten.

Sehr schnell kam er zurück, ein Päckchen in die Hand. "Ist für einen Mann, der bei dir wohnt!", sagte er mit Blick aufs Etikett. Dann las er mit einem Lesegerät das Streifenmuster auf dem Versandetikett aus und hielt es mir hin: "Ein Autogramm, bitte! Und frohes Fest!"

Richtig, Feiertage standen vor der Tür, auch wenn diese dem mus­li­mi­schen Teil der Bevölkerung vielleicht nicht ganz so wichtig waren.

Ostereier und Schokoweihnachtsmann
Ostereier, vom Hasen bewacht
Dergestalt sind die Um­gangsformen in unserem erlauchten Mul­ti­kul­ti­viertel. Ich nahm also die Beu­te an mich und trug sie heim. Später kam besagter Mitbewohner von der Arbeit zurück. Gemeinsam packten wir aus.
Das Päckchen be­in­hal­te­te De­ko­ma­te­ri­ali­en, teils essbar, teils ess- und trinkbar, wie sie für eine gewisse Jah­re­szeit typisch sind. Und da Ostern vor der Tür stand, waren wir gleich total aus dem Häus­chen.

Manche behaupten ja, dass Scho­ko­la­den­fi­guren, an denen ein wenig der Zahn der Zeit genagt hat, in neues Stan­niol­papier verpackt wer­den wür­den. Stimmt gar nicht!

Oder? Wie lange hält sich sowas? Und darf jemand den 50-Euro-Schein für ein Weih­nachts­geschenk von der Tante auch noch im Früh­jahr aus­geben oder muss er bis zum Jahres­ende warten?

Fragen über Fragen.

Das Som­mer­kleid wird sicher sehr schön werden.

Freitag, 19. Mai 2017

Music battle

Die Sonne steht schon tief. Es ist heiß. Ein Mann mit blonden Federn auf dem Kopf singt sein Hare-Krishna-Mantra und begleitet sich dabei auf einer winzigen Quetschkommode. Auf der dem Wochenmarkt vor­ge­la­ger­ten Terrasse sitzen zwei Trommler inmitten einer klei­nen Men­schen­men­ge. Auf der Holzterrasse, die auf den Landwehrkanal hin­aus­geht, hocken (oder liegen) Gäste und chillen, mancher döst, vie­le ge­nie­ßen ihr Feierabendbier, andere sitzen an Tischen und Bän­ken und essen, was sie an den Street kitchen-Wägen gekauft haben.

Englische, italienische und fran­zö­si­sche Wort­fet­zen drin­gen an mein Ohr. Ich ste­he hier nur fünf Mi­nu­ten, war­te und ge­nie­ße die Son­ne.

Die Trommler, die von meiner Position nicht zu sehen sind, gehen ein auf seinen Gesang, suchen einen gemeinsamen Rhythmus, der Ha­re-Krish­na-Mann wendet sich ihnen zu, spielt langsamer, dann wie­deer schnel­ler, die Trommeln antworten, dann lachen alle.

Es ist nach sechs Uhr am Abend, der Markt am Maybachufer wird ab­gebaut, noch sind fast 30 Grad Celsius im Schatten, die Wet­ter­frö­sche quaken was von Temperatursturz, niemand will nach Hause ge­hen, denn wir hatten gerade erst die zweite kurze Schön­wet­ter­pha­se in diesem Jahr.

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Foto: C.E.

Sonntag, 12. März 2017

Liebe Leserin, lieber Leser,
werte Immoblienspekulanten,
sehr verehrte Anleger,

zunächst möchte ich mich an die Auswärtigen mit Geld wenden: Bitte investieren Sie woanders. Hier gibt es nicht viel zu sehen außer das täglich neu ausverhandelte Miteinander vieler Nationen und Schich­ten. Neukölln ist laut, bunt, schmutzig, Gewalt lauert an jeder Stra­ßen­ecke für jene, die die Regeln nicht kennen. Ihre Wunsch­mie­ter, mit denen Sie höchste Renditen erzielen möchten, wollen garantiert nicht hierher.

Für alle anderen heute ein Link über eine Buchbesprechung im ur­ei­gens­ten Sinne des Wortes. Autors Felix Lobrecht, ein Kiezgewächs, wie sehr, fiel ihm erst "in so einem oberhessischen Unikaff auf", ge­meint ist Mar­burg, unterhält sich mit der Bezirksbürgermeisterin Franziska Giffey über unseren Problemkiez.

Drogenverkäufer, Einbrüche, Straßengangs und wilde Mülldeponien zeichnen unseren Bezirk aus, dazu eine sehr hohe Armutsrate. Der Autor berichtet darüber, wie es war, im sozialen Brennpunkt auf­zu­wach­sen. Das geschriebene Interview wird durch Audiosequenzen ergänzt.

"Neukölln ist home", Interviewerin war Caroline Kraft, veröffentlicht auf der Seite www.resonanzboden.com, dem Blog der Ullstein Buchverlage.

Dienstag, 14. Juni 2016

Lebensgefahr in Neukölln

Investoren! Immobilienspekulanten! Geldanleger! Kommt nicht her! Hier ist sind nicht nur die Straßen zugemüllt, die Mieter rebellisch, hier ist das Leben einfach gefährlich.

Gestern Mittag, kurz vor eins: Eine 40-jährige Frau joggt durch den Park in der Nähe, die Hasenheide, da springen zwei jüngere Men­schen, vermutlich Jugendliche, aus einem Gebüsch in der Absicht, die um ihre Gesundheit besorgte Person um Bargeld und Mobiltelefon zu erleichtern. Als Argumentatationshilfe führten die beiden Räuber eine Pistole mit sich.

Da die Joggerin nur ihren Wohnungsschlüssel in der Tasche hatte, blieb die Nachfrage wirkungslos. Alsdann machten sie sich südliche Richtung aus dem Staube. Eine 57-jährigen Passantin hatte nicht so viel Glück. Zur Herausgabe ihres Portemonnaies kam die Pistole zum Einsatz — zum Glück nur als Schlaginstrument.

Auch wenn dieser Text möglicherweise einen etwas humorigen Un­ter­ton hat, so ist mir nicht zum Lachen zumute. Es ist eher eine Form von Galgenhumor. Das Vier­tel verroht. Immobilienspekulation trägt zur Verrohung bei. Menschen, die nicht mehr wissen, wie sie künftig ihre Miete zahlen sollen und auf Über­le­bens­mo­dus stellen, vergessen ihre mög­li­cher­wei­se sogar gute Kinderstube.

Hier geht's zum Tagesspiegelartikel, der die Fakten genauer be­schreibt: klick!
Tags: Gentrifizierung überteuert Wohnung kaufen Neukölln schick scheiße Gefahr Kriminalität Verrohung

Donnerstag, 6. August 2015

Urlaubspostkarte

Liebe Mama, lieber Papa,

wir sind gut in Berlin gelandet. Die Ferienwohnung liegt inmitten eines Wohngebiets mit Blick auf den Kanal. Das Wetter ist toll.

Als wir angekommen sind, wurden wir von einem alten, betrunkenen Mann übel beschimpft. Er hat behauptet, dass er früher in der Fe­rien­haus­an­la­ge gewohnt habe. Dass das früher Sozialwohnungen ge­we­sen seien. Ist es möglich, dass Sozialwohnungen heute als Fe­rien­wohn­un­gen vermietet werden?

Wir zahlen, wenn wir die Endreinigung einrechnen, 145 Euro pro Nacht. Er hat gesagt, dass seine Drei­zim­mer­wohn­ung früher 560 Euro warm gekostet habe. Und dabei sei seine Wohnung sogar über 40 % teurer gewesen als die Wohnungen in dem Viertel sonst sind. Schock! Umgerechnet auf den Preis von heute hat er für weniger als vier Nächte gezahlt!

Eigentlich könnte mir das ja egal sein. Wir machen Urlaub und freuen auf die Party! Sogar einen Balkon gibt es. Das Wetter ist super. Und wir haben auch tolle Mucke im Gepäck, die die Nachbarn sicher bald freuen wird. Das wird eine super Woche!

Alles Liebe,
Eure
Kira

P.S.: Jetzt bitte nicht aufregen, und bis Oktober ist auch noch etwas Zeit! Der Vermieter der Studentenbude hat mir eben eine Absage geschickt. Per SMS! Als hätten wir uns nicht große Mühe gegeben mit dem Original der Bankbürgschaft, beglaubigten Kopien der Ausweise, polizeilichem Führungszeugnis, Kontoauszug des Miet­bürg­schafts­kontos und dem Kurier und so! Er hat mir aber eine andere Stu­den­ten­bu­de angeboten, etwas weiter weg (das macht dann 45 Minuten Anfahrt per ÖPNV) und auch deutlich kleiner, 510 Euro im Monat. Er mailt Euch das Exposé noch heute Abend.

Jugendliche Rollkoffertouristen vor einem früheren Miethaus, Maybachufer 19

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Foto: C.E.

Montag, 7. Juli 2014

Not Berlin's hippest 'hoods

Dear Investors, please deconsider buying a house or a flat in our area. It's definitely NOT a nice, vibrating or cool spot of Berlin. There are many poor and aggressive people living here and the police doesn't always react in a comprehensive way. Here you see an ID-control which went bad for dubious reasons.

Neukölln/Kreuberg are not Berlin's hippest 'hoods.

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Film: YouTube

Mittwoch, 2. Juli 2014

Belagerungszustand

Seit Wochen leben wir wie im Kriegsgebiet. Ich übertreibe, aber so fühlt es sich an. Etliche Sehr-viel-Besserverdienende, die in den ver­gan­ge­nen Jahren ins Viertel gezogen sind, wundern sich: Hier ist ja nicht alles nett.

Hier ist überhaupt nicht alles nett. Wir sind an der Gren­ze zu Kreuz­berg.

Noch sind die meisten Polizeiwagen in Berlin grün, die Stadt ist zu arm, um sie auf die neue Polizeifarbe umspritzen zu lassen, und ge­nau­so grün ist regelmäßig der Weg über die Brücke nach Kreuz­berg. Meine Buslinie fährt seit Wochen unsere Nachbarschaft nicht mehr an. Asylbewerber halten eine Schule besetzt, davor stehen die Ver­tre­ter der Staats­macht und sehr oft auch verschiedene Grup­pen und Grüpp­chen von De­monstran­ten. Regelmäßig kommt es zu Platz­ver­wei­sen und Festnahmen. Die Polizei reagiert ungewohnt brutal, die Nerven der Beamten sind zum Zerreißen gespannt.

Neben den Grünen haben wir auch Herren und Damen in blauer Uni­form vor Ort sowie in schwarzer, letzere tragen Helme mit Visir. Ich schließe daraus, dass sich hier Po­li­zisten vom Land, vom Bund und über­re­gio­na­le Ein­greiftruppen Hand in Hand ar­bei­ten. Es sind immer zwischen 500 und 900 Beamte anwesend. Neulich konnte ich nicht zum Yoga, denn ich hatte nur meinen Pass, nicht aber meinen Aus­weis dabei (nur im Personalausweis steht die Meldeanschrift). Ich konnte nicht glaubhaft machen, dass ich Anrainerin bin.

Eben Schüsse, dann ein Geräusch wie von einer Explosion. Die Pas­san­ten auf der Straße wenden nicht einmal den Kopf. Es sind Schüler, Stu­den­ten, Leute mit Migrationshintergrund, Fla­schen­sam­mler, der Alki aus dem Nebenhaus und der Arbeitslose aus der nächsten Quer­stra­ße. Alle scheinen sich an die Ge­räusch­ku­lis­se ge­wöhnt zu haben. Dann minutenlanges Hupen. Dann stauen sich die Autos in der Stra­ße, offenbar sind jetzt andere Zuwege abgesperrt. Wieder Mar­tins­hör­ner, gleich mehrfach, in alle Richtungen.

Dann kommt der Hubschrauber. Der Sound der ghetto birds ist hier täglich zu hören. Und die Geschäftsinhaber der Nachbarschaft be­rich­ten davon, dass ihre Umsätze bis um 80 % zurückgegangen sind.

Wir sind ein Gebiet, das mitten in der Gentrifizierung steckt. In der Nachbarschaft, pinselsanierter, umgewandelter Sozialwohnungsbau, ver­teu­er­ten sich die Kaufpreise der Wohnungen um mehr als 400 % (*). (Et­li­ches wartet unverkauft oder als Ferienwohnung auf neue Be­woh­­ner). Die Vormieter mussten ausziehen, sogar eine Roll­stuhl­fah­re­rin wurde rausgeschmissen. In einem anderen Haus wurde gerade der Ga­le­rist aus seinen vier Wän­den geklagt. Er hat um die 650 Euro Mie­te gezahlt. Für Nach­mie­ter wird's teuer: |ca. 1700 Euro| 1.950 Eu­ro ohne NK |lautet den Nach­barn zufolge| die For­de­rung. Ein anderer Geschäftsinhaber in der Straße möchte aus freien Stücken auf­geben. Er findet seit Monaten keinen Nachmieter.

Nein, Neukölln ist nicht schick. Und den Begriff "Kreuzkölln" haben die Damen und Herren von der Immobilienverwertung erfunden, um die Preise zu treiben.

Ohlauer Straße, ruhige Wachablösung

(*) ... zwischen Erstverkauf als Gesamtgebäude und Verkauf als Ei­gen­tums­wohnungen der Luxusklasse, angeblicher Erstbezug und in Kreuzberg, so angezeigt bei den stadtbekannten Portalen. Die Be­wei­se habe ich gesichert, Herr Anwalt.
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Foto: C.E.

Donnerstag, 29. Dezember 2011

Rich art Kiz

So sehen in Neukölln uns jene, die Wohnungsanzeigen aufgeben ...
Wonung im Rich art Kiz mit schöne Dilefussbode und Guteschnitt und Sonne im Hinterhaus. Getopt ist das durch total ruhige Hof und die U-Bahn vor die Haustür. Und da findet auch der derzeit heißeste Kiz in Berlin. Hier IST Leben. Hier ENTSTEHT Leben. Neukölln ist eine Mischung aus Boheme, El-Arenal und Kunstcafe. Unglaublich!
Und das sind die Begleiterscheinungen, aus einer anderen Wohnungssuchseite (grafisch verändert):


P.S.: Für die Nichtberliner ... es gibt einen Richardkiez, in dem in der Tat viele Künstler leben.

Mittwoch, 23. November 2011

Unsichere Gegend

Seit ich in Neukölln wohne, hat unser Haushalt alle zwei Jahre ein Fahr­rad eingebüßt. Das ist nicht normal und passt auch nicht zu den Informationen, die die Polizei hat. Als ich mich neulich mit dem Kon­takt­be­reichs­be­am­ten darüber unterhalte, meinte der nur knapp: "Ihre Zahl könnte hinhauen. Die wenigsten Diebstähle werden zur Anzeige gebracht".

Wie sagte mein Bruder vor einigen Jahren (als Variation auf die Wer­bung mit der teueren Uhr aus Genf): "Ein Fahrrad gehört einem nie ganz allein." Mein Bruder wohnt in Treptow, das ist der Nachbarbezirk, die kennen das dort auch.

Jetzt hat es sogar das Motorrad eines Nachbarn erwischt. Es ist eine blaue Yamaha aus dem Jahr 1995, Fahrgestellnummer 3VD080211, letztes Kennzeichen: B-GC 38.

Er hatte es am Abend wie immer vor der Haustüre auf dem Gehweg abgestellt. Am nächsten Tag war es nicht mehr da. Für mehr Infos hier klicken. (Finderlohn!)

Freitag, 4. November 2011

Laienschauspieler gesucht

Jugendliche und junge Erwachsene (15 bis 30 Jahre) aus Berlin-Neukölln – mit und ohne Migrationshintergrund – als Laien-Schauspieler für soziokulturelles Theaterprojekt in Neukölln gesucht!

In der Produktion „Ortswechsel. Szenen aus dem Leben einer Stadt“ gehen die Darsteller auf Spurensuche nach den Geschichten von Räumen und Menschen im Reuterkiez. Fragen zu Heimat, Identität und Migration werden in Form eines Theaterparcours, bei dem sich die Zuschauer zwischen unterschiedlichen Aufführungsorten bewegen, szenisch vermittelt.

Die Proben beginnen Mitte November. Die Premiere findet am 16. Dezember statt.

Schickt bitte eine Mail an: reuterkieztheater@yahoo.de oder ruft an unter: 0151 5665 7413. Wir freuen uns auf Euch! Theater der Migranten, www.migranten-projekt.de"

Freitag, 30. September 2011

Später Sommer ...

... selbst auf diesem Neuköllner Schattenbalkon
Unsere Nachbarschaft macht in der Regel einen eher düsteren Ein­druck. Das Neuköllner Kanalufer liegt im Schatten, die Balkone in den eng gebauten Straßen erreicht nur selten mal ein Son­nen­strähl­chen.

Dienstag, 16. August 2011

Übungsraum

Noch ein Nachtrag zu neulich, zum Jazztrompeter. Mancher seiner Kollegen, die sich da so ans Ufer stellen, sollten sich lieber einen Übungsraum mieten.

Sonntag, 14. August 2011

In der U-Bahn ...

... Schönleinstraße. Au weia!

Seit dem Bankenkrach von 2008 haben sich die Werbetreibenden übrigens aus unserem U-Bahnhof zurückgezogen. Der Ort ist schlecht beleuchtet, ungepflegt, an vielen Ecken stinkt es nach Urin. Früher haben wenigstens die Farben der Werbung ihn ein wenig auf­ge­hübscht. Neukölln ist ein Ar­­muts­­be­­zirk, hier sehen wir es immer wieder.

Sonntag, 7. August 2011

Lesebank

Wie schön, dass es im Kiez jetzt wieder mehr Buchhandlungen gibt! Und bei manchen kann sich der geneigte Leser sogar in der Sonne niederlassen und lesen, sofern es welche gibt (und er/sie zur richtigen Tageszeit vorbeischaut, wenn der Bürgersteig "auf der richtigen Seite" liegt).

Diese lange Bücherbank steht vor der Buchkönigin. Der schiere Lebensgenuss! Und die viel nettere Zierde für eine Baumscheibe als das, was hier sonst mitunter rumliegt.

Samstag, 30. Juli 2011

Verspäteter Osterhase


... am Kottbusser Damm, Neuköllnseite.

Dienstag, 26. Juli 2011

Wilde Müllentladung


Zu eklig ... Hier laufen die Kids Slalom um Hundekacke, weil sich der Müll um die kacktauglichen Baumscheiben herum stapelt. Der Müll wird hier |wochenlang| monatelang liegenbleiben. Da waren wohl einige Nachbarn wieder zu arm, um die BSR zu bestellen. (Sperrmüllabfuhr bezahlen in Berlin normalerweise die Verursacher.)

Die Nachbarn mussten das Haus verlassen, nachdem ihre Woh­nun­gen als Eigentumswohnungen verkauft worden sind. Vorher hatte sich, weil die Stadt Berlin die Sozialwohnungszuschüsse nicht mehr bezahlt hat, die Miete ihrer Bleiben fast verdreifacht. Nein, das ist keine Rechtfertigung, nur eine Beschreibung.

Samstag, 23. Juli 2011

Vor dem Haus

Der Naherholungswert unseres Kanals ist hoch. Nur reinfallen sollte man nicht. Und im Grunde sind die Uferstraßen zusammen eine sechs­spu­ri­ge Autostraße, im Sommer sehr viel von Tou­risten­damp­fern befahren. Was die verbrennen, möchte ich nicht so genau wis­sen. Es stinkt bestialisch und auf dem Balkon muss ich täglich den Fein­staub weg­wischen. Dazu kommt noch der Schwerlastverkehr vom Wochenmarkt, der die Wände regelmäßig erschüttert. Unser Haus hat schon richtige Risse davon. Kräuter oder Tomaten aus eigener Anzucht? Das können wir leider vergessen. Die Idylle ist trügerisch.

Montag, 18. Juli 2011

Tourischiff

Vom Tourischiff auf dem Landwehrkanal tönte es eben anders runter, als die sonstige Leier vom Band, und zwar (auf Englisch):
Hier rechts auf dem Dach steht Kreuzkotze, das kann ich jetzt nicht übersetzen. Wir sehen hier viele Pro­test­no­ten gegen das Establishment und gegen den Staat in diesem Bezirk, in dem viele Kreative und viele Protestler leben. Also nicht täuschen lassen durch die schönen grünen Bäume am Uferrand, das ist ein ziemlich sehr virulenter Bezirk, Kreuzberg eben.
Super, nur die neuköllner Seite hamse unterschlagen, Monsieur.