Nein, ich halte mich nicht für spießig. Aber vielleicht bin ich das sogar.
Am Maybachufer zu wohnen bedeutet, normalerweise in den Genuss guter Musik zu kommen. Seit die Stunden vorne am Markt (jeden Dienstag und Freitag) begrenzt worden sind, sitzen zwischendurch allerlei Leute mit ihren Klampfen, Schlag- oder Klingelgerätschaften vor dem Fenster auf der Bank und machen Töne.
Laute, leise, regelmäßige, stundenlang sich wiederholende Töne. Heute einer, der sich den halben Vormittag einer Art metallene Klapper vor den Bauch hält und diese rüttelt. Es ist, als würde eine Straßenbahn im Dauerklingelmodus vor dem Haus stehen.
Bitte nicht missverstehen: Ich liebe gute Musik und gebe Straßenmusikern gerne was. Aber hier versucht jemand, Kunden für sein Kunsthandwerk an den wild aufgestellten Tapeziertisch zu locken.
Wo gibt es außerhalb der Karnevalssaison eigentlich Stinkbomben?
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Freitag, 17. Mai 2019
Freitag, 26. April 2019
Rumschrömmeln
Frage: Warum müssen manche Leute ihre Uraltgitarre ans Maybachufer ausführen und ihr dann die vermeintliche Ehre antun, auf ihr öffentlich rumzuschrömmeln?
Hintergrund: Früher gab es vorne am Markt eine Art Bühne, auf der Profimusiker spielten. Manche Anwohner haben dafür gesorgt, dass nur noch zu begrenzten Zeiten gespielt werden darf. Stattdessen setzen sich Amateure auf den Weg Richtung Markt auf die nächstbeste Parkbank. Und die steht ausgerechnet unter meinem Fenster.
Antwort: Weil der Probenraum Geld kostet.
Hintergrund: Früher gab es vorne am Markt eine Art Bühne, auf der Profimusiker spielten. Manche Anwohner haben dafür gesorgt, dass nur noch zu begrenzten Zeiten gespielt werden darf. Stattdessen setzen sich Amateure auf den Weg Richtung Markt auf die nächstbeste Parkbank. Und die steht ausgerechnet unter meinem Fenster.
Antwort: Weil der Probenraum Geld kostet.
Mittwoch, 28. März 2018
Postmurks, die Zweite
Gestern ging ich einen Stoffladen in der Nachbarschaft: Ich suchte einen kleinen Rest Chiffonstoff, um mein Lieblingssommerkleid reparieren zu lassen, in das ich mir letztes Jahr ein Löchlein gesessen hatte auf einer der abgerockten Berliner Parkbänke.
Passender Stoff ward flugs gefunden, von passender Webdichte und in einem Farbton, der im sonst bunten Kleid auch vorkommt. Ich würde mir, das war der Plan, von der bekopftuchten Schneiderin in der Reichenberger vier sehr langgestreckte Dreiecke in den locker fallenden Rockteil setzen lassen, der dann etwas glockiger wirken würde als zuvor, und schon hätte ich mit Schneiderkosten von 20 Euro ein neues Kleid. (Das Ist die Neukölln-Kreuzberger Restnutzungsökonomie.)
Der Stoff war ein Schnäppchen. "Drei Euro!", raunte mir der dunkelhaarige, dunkeläugige Verkäufer zu. Ich reichte mein Geld, einen größeren Schein, ich war gerade bei der Bank gewesen. Der Mann zog die buschigen Augenbrauen zu einem durchgehenden Strich zusammen und fragte in bestem Berlinisch: "Willste mir veräppeln?"
Er bat mich um meinen Namen, drückte mir den Stoff in die Hand, rief mir ein fröhliches "... bis die Tage!" zu, gefolgt von einem barschen: "Halt!"
Ich war bereits auf dem Weg zur Tür gewesen, drehte mich um, war versucht, die Hände über den Kopf zu heben, so sehr im Befehlston war seine Ansage: "Halt, Hände hoch!"
Nein, doch kein Hände hoch. Er wiederholte langsam meinen Namen. "Ich hab was für Dich!" Er eilte ins Hintergelass in dem sich, das konnte ich sogar von der Tür aus erkennen, Kartons von unterschiedlicher Größe bis zur Decke stapelten.
Sehr schnell kam er zurück, ein Päckchen in die Hand. "Ist für einen Mann, der bei dir wohnt!", sagte er mit Blick aufs Etikett. Dann las er mit einem Lesegerät das Streifenmuster auf dem Versandetikett aus und hielt es mir hin: "Ein Autogramm, bitte! Und frohes Fest!"
Richtig, Feiertage standen vor der Tür, auch wenn diese dem muslimischen Teil der Bevölkerung vielleicht nicht ganz so wichtig waren.
Dergestalt sind die Umgangsformen in unserem erlauchten Multikultiviertel. Ich nahm also die Beute an mich und trug sie heim. Später kam besagter Mitbewohner von der Arbeit zurück. Gemeinsam packten wir aus.
Das Päckchen beinhaltete Dekomaterialien, teils essbar, teils ess- und trinkbar, wie sie für eine gewisse Jahreszeit typisch sind. Und da Ostern vor der Tür stand, waren wir gleich total aus dem Häuschen.
Manche behaupten ja, dass Schokoladenfiguren, an denen ein wenig der Zahn der Zeit genagt hat, in neues Stanniolpapier verpackt werden würden. Stimmt gar nicht!
Oder? Wie lange hält sich sowas? Und darf jemand den 50-Euro-Schein für ein Weihnachtsgeschenk von der Tante auch noch im Frühjahr ausgeben oder muss er bis zum Jahresende warten?
Fragen über Fragen.
Das Sommerkleid wird sicher sehr schön werden.
Passender Stoff ward flugs gefunden, von passender Webdichte und in einem Farbton, der im sonst bunten Kleid auch vorkommt. Ich würde mir, das war der Plan, von der bekopftuchten Schneiderin in der Reichenberger vier sehr langgestreckte Dreiecke in den locker fallenden Rockteil setzen lassen, der dann etwas glockiger wirken würde als zuvor, und schon hätte ich mit Schneiderkosten von 20 Euro ein neues Kleid. (Das Ist die Neukölln-Kreuzberger Restnutzungsökonomie.)
Der Stoff war ein Schnäppchen. "Drei Euro!", raunte mir der dunkelhaarige, dunkeläugige Verkäufer zu. Ich reichte mein Geld, einen größeren Schein, ich war gerade bei der Bank gewesen. Der Mann zog die buschigen Augenbrauen zu einem durchgehenden Strich zusammen und fragte in bestem Berlinisch: "Willste mir veräppeln?"
Er bat mich um meinen Namen, drückte mir den Stoff in die Hand, rief mir ein fröhliches "... bis die Tage!" zu, gefolgt von einem barschen: "Halt!"
Ich war bereits auf dem Weg zur Tür gewesen, drehte mich um, war versucht, die Hände über den Kopf zu heben, so sehr im Befehlston war seine Ansage: "Halt, Hände hoch!"
Nein, doch kein Hände hoch. Er wiederholte langsam meinen Namen. "Ich hab was für Dich!" Er eilte ins Hintergelass in dem sich, das konnte ich sogar von der Tür aus erkennen, Kartons von unterschiedlicher Größe bis zur Decke stapelten.
Sehr schnell kam er zurück, ein Päckchen in die Hand. "Ist für einen Mann, der bei dir wohnt!", sagte er mit Blick aufs Etikett. Dann las er mit einem Lesegerät das Streifenmuster auf dem Versandetikett aus und hielt es mir hin: "Ein Autogramm, bitte! Und frohes Fest!"
Richtig, Feiertage standen vor der Tür, auch wenn diese dem muslimischen Teil der Bevölkerung vielleicht nicht ganz so wichtig waren.
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| Ostereier, vom Hasen bewacht |
Das Päckchen beinhaltete Dekomaterialien, teils essbar, teils ess- und trinkbar, wie sie für eine gewisse Jahreszeit typisch sind. Und da Ostern vor der Tür stand, waren wir gleich total aus dem Häuschen.
Manche behaupten ja, dass Schokoladenfiguren, an denen ein wenig der Zahn der Zeit genagt hat, in neues Stanniolpapier verpackt werden würden. Stimmt gar nicht!
Oder? Wie lange hält sich sowas? Und darf jemand den 50-Euro-Schein für ein Weihnachtsgeschenk von der Tante auch noch im Frühjahr ausgeben oder muss er bis zum Jahresende warten?
Fragen über Fragen.
Das Sommerkleid wird sicher sehr schön werden.
Freitag, 19. Mai 2017
Music battle
Die Sonne steht schon tief. Es ist heiß. Ein Mann mit blonden Federn auf dem Kopf singt sein Hare-Krishna-Mantra und begleitet sich dabei auf einer winzigen Quetschkommode. Auf der dem Wochenmarkt vorgelagerten Terrasse sitzen zwei Trommler inmitten einer kleinen Menschenmenge. Auf der Holzterrasse, die auf den Landwehrkanal hinausgeht, hocken (oder liegen) Gäste und chillen, mancher döst, viele genießen ihr Feierabendbier, andere sitzen an Tischen und Bänken und essen, was sie an den Street kitchen-Wägen gekauft haben.
Englische, italienische und französische Wortfetzen dringen an mein Ohr. Ich stehe hier nur fünf Minuten, warte und genieße die Sonne.
Die Trommler, die von meiner Position nicht zu sehen sind, gehen ein auf seinen Gesang, suchen einen gemeinsamen Rhythmus, der Hare-Krishna-Mann wendet sich ihnen zu, spielt langsamer, dann wiedeer schneller, die Trommeln antworten, dann lachen alle.
Es ist nach sechs Uhr am Abend, der Markt am Maybachufer wird abgebaut, noch sind fast 30 Grad Celsius im Schatten, die Wetterfrösche quaken was von Temperatursturz, niemand will nach Hause gehen, denn wir hatten gerade erst die zweite kurze Schönwetterphase in diesem Jahr.
______________________________
Foto: C.E.
Englische, italienische und französische Wortfetzen dringen an mein Ohr. Ich stehe hier nur fünf Minuten, warte und genieße die Sonne.
Die Trommler, die von meiner Position nicht zu sehen sind, gehen ein auf seinen Gesang, suchen einen gemeinsamen Rhythmus, der Hare-Krishna-Mann wendet sich ihnen zu, spielt langsamer, dann wiedeer schneller, die Trommeln antworten, dann lachen alle.
Es ist nach sechs Uhr am Abend, der Markt am Maybachufer wird abgebaut, noch sind fast 30 Grad Celsius im Schatten, die Wetterfrösche quaken was von Temperatursturz, niemand will nach Hause gehen, denn wir hatten gerade erst die zweite kurze Schönwetterphase in diesem Jahr.
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Foto: C.E.
Sonntag, 12. März 2017
Liebe Leserin, lieber Leser,
werte Immoblienspekulanten,
sehr verehrte Anleger,
zunächst möchte ich mich an die Auswärtigen mit Geld wenden: Bitte investieren Sie woanders. Hier gibt es nicht viel zu sehen außer das täglich neu ausverhandelte Miteinander vieler Nationen und Schichten. Neukölln ist laut, bunt, schmutzig, Gewalt lauert an jeder Straßenecke für jene, die die Regeln nicht kennen. Ihre Wunschmieter, mit denen Sie höchste Renditen erzielen möchten, wollen garantiert nicht hierher.
Für alle anderen heute ein Link über eine Buchbesprechung im ureigensten Sinne des Wortes. Autors Felix Lobrecht, ein Kiezgewächs, wie sehr, fiel ihm erst "in so einem oberhessischen Unikaff auf", gemeint ist Marburg, unterhält sich mit der Bezirksbürgermeisterin Franziska Giffey über unseren Problemkiez.
Drogenverkäufer, Einbrüche, Straßengangs und wilde Mülldeponien zeichnen unseren Bezirk aus, dazu eine sehr hohe Armutsrate. Der Autor berichtet darüber, wie es war, im sozialen Brennpunkt aufzuwachsen. Das geschriebene Interview wird durch Audiosequenzen ergänzt.
"Neukölln ist home", Interviewerin war Caroline Kraft, veröffentlicht auf der Seite www.resonanzboden.com, dem Blog der Ullstein Buchverlage.
werte Immoblienspekulanten,
sehr verehrte Anleger,
zunächst möchte ich mich an die Auswärtigen mit Geld wenden: Bitte investieren Sie woanders. Hier gibt es nicht viel zu sehen außer das täglich neu ausverhandelte Miteinander vieler Nationen und Schichten. Neukölln ist laut, bunt, schmutzig, Gewalt lauert an jeder Straßenecke für jene, die die Regeln nicht kennen. Ihre Wunschmieter, mit denen Sie höchste Renditen erzielen möchten, wollen garantiert nicht hierher.
Für alle anderen heute ein Link über eine Buchbesprechung im ureigensten Sinne des Wortes. Autors Felix Lobrecht, ein Kiezgewächs, wie sehr, fiel ihm erst "in so einem oberhessischen Unikaff auf", gemeint ist Marburg, unterhält sich mit der Bezirksbürgermeisterin Franziska Giffey über unseren Problemkiez.
Drogenverkäufer, Einbrüche, Straßengangs und wilde Mülldeponien zeichnen unseren Bezirk aus, dazu eine sehr hohe Armutsrate. Der Autor berichtet darüber, wie es war, im sozialen Brennpunkt aufzuwachsen. Das geschriebene Interview wird durch Audiosequenzen ergänzt.
"Neukölln ist home", Interviewerin war Caroline Kraft, veröffentlicht auf der Seite www.resonanzboden.com, dem Blog der Ullstein Buchverlage.
Dienstag, 14. Juni 2016
Lebensgefahr in Neukölln
Investoren! Immobilienspekulanten! Geldanleger! Kommt nicht her! Hier ist sind nicht nur die Straßen zugemüllt, die Mieter rebellisch, hier ist das Leben einfach gefährlich.
Gestern Mittag, kurz vor eins: Eine 40-jährige Frau joggt durch den Park in der Nähe, die Hasenheide, da springen zwei jüngere Menschen, vermutlich Jugendliche, aus einem Gebüsch in der Absicht, die um ihre Gesundheit besorgte Person um Bargeld und Mobiltelefon zu erleichtern. Als Argumentatationshilfe führten die beiden Räuber eine Pistole mit sich.
Da die Joggerin nur ihren Wohnungsschlüssel in der Tasche hatte, blieb die Nachfrage wirkungslos. Alsdann machten sie sich südliche Richtung aus dem Staube. Eine 57-jährigen Passantin hatte nicht so viel Glück. Zur Herausgabe ihres Portemonnaies kam die Pistole zum Einsatz — zum Glück nur als Schlaginstrument.
Auch wenn dieser Text möglicherweise einen etwas humorigen Unterton hat, so ist mir nicht zum Lachen zumute. Es ist eher eine Form von Galgenhumor. Das Viertel verroht. Immobilienspekulation trägt zur Verrohung bei. Menschen, die nicht mehr wissen, wie sie künftig ihre Miete zahlen sollen und auf Überlebensmodus stellen, vergessen ihre möglicherweise sogar gute Kinderstube.
Hier geht's zum Tagesspiegelartikel, der die Fakten genauer beschreibt: klick!
Tags: Gentrifizierung überteuert Wohnung kaufen Neukölln schick scheiße Gefahr Kriminalität Verrohung
Gestern Mittag, kurz vor eins: Eine 40-jährige Frau joggt durch den Park in der Nähe, die Hasenheide, da springen zwei jüngere Menschen, vermutlich Jugendliche, aus einem Gebüsch in der Absicht, die um ihre Gesundheit besorgte Person um Bargeld und Mobiltelefon zu erleichtern. Als Argumentatationshilfe führten die beiden Räuber eine Pistole mit sich.
Da die Joggerin nur ihren Wohnungsschlüssel in der Tasche hatte, blieb die Nachfrage wirkungslos. Alsdann machten sie sich südliche Richtung aus dem Staube. Eine 57-jährigen Passantin hatte nicht so viel Glück. Zur Herausgabe ihres Portemonnaies kam die Pistole zum Einsatz — zum Glück nur als Schlaginstrument.
Auch wenn dieser Text möglicherweise einen etwas humorigen Unterton hat, so ist mir nicht zum Lachen zumute. Es ist eher eine Form von Galgenhumor. Das Viertel verroht. Immobilienspekulation trägt zur Verrohung bei. Menschen, die nicht mehr wissen, wie sie künftig ihre Miete zahlen sollen und auf Überlebensmodus stellen, vergessen ihre möglicherweise sogar gute Kinderstube.
Hier geht's zum Tagesspiegelartikel, der die Fakten genauer beschreibt: klick!
Tags: Gentrifizierung überteuert Wohnung kaufen Neukölln schick scheiße Gefahr Kriminalität Verrohung
Donnerstag, 6. August 2015
Urlaubspostkarte
Liebe Mama, lieber Papa,
wir sind gut in Berlin gelandet. Die Ferienwohnung liegt inmitten eines Wohngebiets mit Blick auf den Kanal. Das Wetter ist toll.
Als wir angekommen sind, wurden wir von einem alten, betrunkenen Mann übel beschimpft. Er hat behauptet, dass er früher in der Ferienhausanlage gewohnt habe. Dass das früher Sozialwohnungen gewesen seien. Ist es möglich, dass Sozialwohnungen heute als Ferienwohnungen vermietet werden?
Wir zahlen, wenn wir die Endreinigung einrechnen, 145 Euro pro Nacht. Er hat gesagt, dass seine Dreizimmerwohnung früher 560 Euro warm gekostet habe. Und dabei sei seine Wohnung sogar über 40 % teurer gewesen als die Wohnungen in dem Viertel sonst sind. Schock! Umgerechnet auf den Preis von heute hat er für weniger als vier Nächte gezahlt!
Eigentlich könnte mir das ja egal sein. Wir machen Urlaub und freuen auf die Party! Sogar einen Balkon gibt es. Das Wetter ist super. Und wir haben auch tolle Mucke im Gepäck, die die Nachbarn sicher bald freuen wird. Das wird eine super Woche!
Alles Liebe,
Eure
Kira
P.S.: Jetzt bitte nicht aufregen, und bis Oktober ist auch noch etwas Zeit! Der Vermieter der Studentenbude hat mir eben eine Absage geschickt. Per SMS! Als hätten wir uns nicht große Mühe gegeben mit dem Original der Bankbürgschaft, beglaubigten Kopien der Ausweise, polizeilichem Führungszeugnis, Kontoauszug des Mietbürgschaftskontos und dem Kurier und so! Er hat mir aber eine andere Studentenbude angeboten, etwas weiter weg (das macht dann 45 Minuten Anfahrt per ÖPNV) und auch deutlich kleiner, 510 Euro im Monat. Er mailt Euch das Exposé noch heute Abend.
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Foto: C.E.
Labels:
Aufgeschnapptes,
Gentrifizierung,
Neukölln,
Wie wir leben
Montag, 7. Juli 2014
Not Berlin's hippest 'hoods
Dear Investors, please deconsider buying a house or a flat in our area. It's definitely NOT a nice, vibrating or cool spot of Berlin. There are many poor and aggressive people living here and the police doesn't always react in a comprehensive way. Here you see an ID-control which went bad for dubious reasons.
Neukölln/Kreuberg are not Berlin's hippest 'hoods.
Neukölln/Kreuberg are not Berlin's hippest 'hoods.
Film: YouTube
Labels:
Medienarbeit,
Neukölln,
Wie wir leben
Mittwoch, 2. Juli 2014
Belagerungszustand
Seit Wochen leben wir wie im Kriegsgebiet. Ich übertreibe, aber so fühlt es sich an. Etliche Sehr-viel-Besserverdienende, die in den vergangenen Jahren ins Viertel gezogen sind, wundern sich: Hier ist ja nicht alles nett.
Hier ist überhaupt nicht alles nett. Wir sind an der Grenze zu Kreuzberg.
Noch sind die meisten Polizeiwagen in Berlin grün, die Stadt ist zu arm, um sie auf die neue Polizeifarbe umspritzen zu lassen, und genauso grün ist regelmäßig der Weg über die Brücke nach Kreuzberg. Meine Buslinie fährt seit Wochen unsere Nachbarschaft nicht mehr an. Asylbewerber halten eine Schule besetzt, davor stehen die Vertreter der Staatsmacht und sehr oft auch verschiedene Gruppen und Grüppchen von Demonstranten. Regelmäßig kommt es zu Platzverweisen und Festnahmen. Die Polizei reagiert ungewohnt brutal, die Nerven der Beamten sind zum Zerreißen gespannt.
Neben den Grünen haben wir auch Herren und Damen in blauer Uniform vor Ort sowie in schwarzer, letzere tragen Helme mit Visir. Ich schließe daraus, dass sich hier Polizisten vom Land, vom Bund und überregionale Eingreiftruppen Hand in Hand arbeiten. Es sind immer zwischen 500 und 900 Beamte anwesend. Neulich konnte ich nicht zum Yoga, denn ich hatte nur meinen Pass, nicht aber meinen Ausweis dabei (nur im Personalausweis steht die Meldeanschrift). Ich konnte nicht glaubhaft machen, dass ich Anrainerin bin.
Eben Schüsse, dann ein Geräusch wie von einer Explosion. Die Passanten auf der Straße wenden nicht einmal den Kopf. Es sind Schüler, Studenten, Leute mit Migrationshintergrund, Flaschensammler, der Alki aus dem Nebenhaus und der Arbeitslose aus der nächsten Querstraße. Alle scheinen sich an die Geräuschkulisse gewöhnt zu haben. Dann minutenlanges Hupen. Dann stauen sich die Autos in der Straße, offenbar sind jetzt andere Zuwege abgesperrt. Wieder Martinshörner, gleich mehrfach, in alle Richtungen.
Dann kommt der Hubschrauber. Der Sound der ghetto birds ist hier täglich zu hören. Und die Geschäftsinhaber der Nachbarschaft berichten davon, dass ihre Umsätze bis um 80 % zurückgegangen sind.
Wir sind ein Gebiet, das mitten in der Gentrifizierung steckt. In der Nachbarschaft, pinselsanierter, umgewandelter Sozialwohnungsbau, verteuerten sich die Kaufpreise der Wohnungen um mehr als 400 % (*). (Etliches wartet unverkauft oder als Ferienwohnung auf neue Bewohner). Die Vormieter mussten ausziehen, sogar eine Rollstuhlfahrerin wurde rausgeschmissen. In einem anderen Haus wurde gerade der Galerist aus seinen vier Wänden geklagt. Er hat um die 650 Euro Miete gezahlt. Für Nachmieter wird's teuer:|ca. 1700 Euro| 1.950 Euro ohne NK |lautet den Nachbarn zufolge| die Forderung. Ein anderer Geschäftsinhaber in der Straße möchte aus freien Stücken aufgeben. Er findet seit Monaten keinen Nachmieter.
Nein, Neukölln ist nicht schick. Und den Begriff "Kreuzkölln" haben die Damen und Herren von der Immobilienverwertung erfunden, um die Preise zu treiben.
(*) ... zwischen Erstverkauf als Gesamtgebäude und Verkauf als Eigentumswohnungen der Luxusklasse, angeblicher Erstbezug und in Kreuzberg, so angezeigt bei den stadtbekannten Portalen. Die Beweise habe ich gesichert, Herr Anwalt.
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Foto: C.E.
Hier ist überhaupt nicht alles nett. Wir sind an der Grenze zu Kreuzberg.
Noch sind die meisten Polizeiwagen in Berlin grün, die Stadt ist zu arm, um sie auf die neue Polizeifarbe umspritzen zu lassen, und genauso grün ist regelmäßig der Weg über die Brücke nach Kreuzberg. Meine Buslinie fährt seit Wochen unsere Nachbarschaft nicht mehr an. Asylbewerber halten eine Schule besetzt, davor stehen die Vertreter der Staatsmacht und sehr oft auch verschiedene Gruppen und Grüppchen von Demonstranten. Regelmäßig kommt es zu Platzverweisen und Festnahmen. Die Polizei reagiert ungewohnt brutal, die Nerven der Beamten sind zum Zerreißen gespannt.
Neben den Grünen haben wir auch Herren und Damen in blauer Uniform vor Ort sowie in schwarzer, letzere tragen Helme mit Visir. Ich schließe daraus, dass sich hier Polizisten vom Land, vom Bund und überregionale Eingreiftruppen Hand in Hand arbeiten. Es sind immer zwischen 500 und 900 Beamte anwesend. Neulich konnte ich nicht zum Yoga, denn ich hatte nur meinen Pass, nicht aber meinen Ausweis dabei (nur im Personalausweis steht die Meldeanschrift). Ich konnte nicht glaubhaft machen, dass ich Anrainerin bin.
Eben Schüsse, dann ein Geräusch wie von einer Explosion. Die Passanten auf der Straße wenden nicht einmal den Kopf. Es sind Schüler, Studenten, Leute mit Migrationshintergrund, Flaschensammler, der Alki aus dem Nebenhaus und der Arbeitslose aus der nächsten Querstraße. Alle scheinen sich an die Geräuschkulisse gewöhnt zu haben. Dann minutenlanges Hupen. Dann stauen sich die Autos in der Straße, offenbar sind jetzt andere Zuwege abgesperrt. Wieder Martinshörner, gleich mehrfach, in alle Richtungen.
Dann kommt der Hubschrauber. Der Sound der ghetto birds ist hier täglich zu hören. Und die Geschäftsinhaber der Nachbarschaft berichten davon, dass ihre Umsätze bis um 80 % zurückgegangen sind.
Wir sind ein Gebiet, das mitten in der Gentrifizierung steckt. In der Nachbarschaft, pinselsanierter, umgewandelter Sozialwohnungsbau, verteuerten sich die Kaufpreise der Wohnungen um mehr als 400 % (*). (Etliches wartet unverkauft oder als Ferienwohnung auf neue Bewohner). Die Vormieter mussten ausziehen, sogar eine Rollstuhlfahrerin wurde rausgeschmissen. In einem anderen Haus wurde gerade der Galerist aus seinen vier Wänden geklagt. Er hat um die 650 Euro Miete gezahlt. Für Nachmieter wird's teuer:
Nein, Neukölln ist nicht schick. Und den Begriff "Kreuzkölln" haben die Damen und Herren von der Immobilienverwertung erfunden, um die Preise zu treiben.
![]() |
| Ohlauer Straße, ruhige Wachablösung |
(*) ... zwischen Erstverkauf als Gesamtgebäude und Verkauf als Eigentumswohnungen der Luxusklasse, angeblicher Erstbezug und in Kreuzberg, so angezeigt bei den stadtbekannten Portalen. Die Beweise habe ich gesichert, Herr Anwalt.
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Foto: C.E.
Donnerstag, 29. Dezember 2011
Rich art Kiz
So sehen in Neukölln uns jene, die Wohnungsanzeigen aufgeben ...
P.S.: Für die Nichtberliner ... es gibt einen Richardkiez, in dem in der Tat viele Künstler leben.
Wonung im Rich art Kiz mit schöne Dilefussbode und Guteschnitt und Sonne im Hinterhaus. Getopt ist das durch total ruhige Hof und die U-Bahn vor die Haustür. Und da findet auch der derzeit heißeste Kiz in Berlin. Hier IST Leben. Hier ENTSTEHT Leben. Neukölln ist eine Mischung aus Boheme, El-Arenal und Kunstcafe. Unglaublich!Und das sind die Begleiterscheinungen, aus einer anderen Wohnungssuchseite (grafisch verändert):
P.S.: Für die Nichtberliner ... es gibt einen Richardkiez, in dem in der Tat viele Künstler leben.
Mittwoch, 23. November 2011
Unsichere Gegend
Seit ich in Neukölln wohne, hat unser Haushalt alle zwei Jahre ein Fahrrad eingebüßt. Das ist nicht normal und passt auch nicht zu den Informationen, die die Polizei hat. Als ich mich neulich mit dem Kontaktbereichsbeamten darüber unterhalte, meinte der nur knapp: "Ihre Zahl könnte hinhauen. Die wenigsten Diebstähle werden zur Anzeige gebracht".
Wie sagte mein Bruder vor einigen Jahren (als Variation auf die Werbung mit der teueren Uhr aus Genf): "Ein Fahrrad gehört einem nie ganz allein." Mein Bruder wohnt in Treptow, das ist der Nachbarbezirk, die kennen das dort auch.
Jetzt hat es sogar das Motorrad eines Nachbarn erwischt. Es ist eine blaue Yamaha aus dem Jahr 1995, Fahrgestellnummer 3VD080211, letztes Kennzeichen: B-GC 38.
Er hatte es am Abend wie immer vor der Haustüre auf dem Gehweg abgestellt. Am nächsten Tag war es nicht mehr da. Für mehr Infos hier klicken. (Finderlohn!)
Wie sagte mein Bruder vor einigen Jahren (als Variation auf die Werbung mit der teueren Uhr aus Genf): "Ein Fahrrad gehört einem nie ganz allein." Mein Bruder wohnt in Treptow, das ist der Nachbarbezirk, die kennen das dort auch.
Jetzt hat es sogar das Motorrad eines Nachbarn erwischt. Es ist eine blaue Yamaha aus dem Jahr 1995, Fahrgestellnummer 3VD080211, letztes Kennzeichen: B-GC 38.
Er hatte es am Abend wie immer vor der Haustüre auf dem Gehweg abgestellt. Am nächsten Tag war es nicht mehr da. Für mehr Infos hier klicken. (Finderlohn!)
Freitag, 4. November 2011
Laienschauspieler gesucht
Jugendliche und junge Erwachsene (15 bis 30 Jahre) aus Berlin-Neukölln – mit und ohne Migrationshintergrund – als Laien-Schauspieler für soziokulturelles Theaterprojekt in Neukölln gesucht!
In der Produktion „Ortswechsel. Szenen aus dem Leben einer Stadt“ gehen die Darsteller auf Spurensuche nach den Geschichten von Räumen und Menschen im Reuterkiez. Fragen zu Heimat, Identität und Migration werden in Form eines Theaterparcours, bei dem sich die Zuschauer zwischen unterschiedlichen Aufführungsorten bewegen, szenisch vermittelt.
Die Proben beginnen Mitte November. Die Premiere findet am 16. Dezember statt.
Schickt bitte eine Mail an: reuterkieztheater@yahoo.de oder ruft an unter: 0151 5665 7413. Wir freuen uns auf Euch! Theater der Migranten, www.migranten-projekt.de"
In der Produktion „Ortswechsel. Szenen aus dem Leben einer Stadt“ gehen die Darsteller auf Spurensuche nach den Geschichten von Räumen und Menschen im Reuterkiez. Fragen zu Heimat, Identität und Migration werden in Form eines Theaterparcours, bei dem sich die Zuschauer zwischen unterschiedlichen Aufführungsorten bewegen, szenisch vermittelt.
Die Proben beginnen Mitte November. Die Premiere findet am 16. Dezember statt.
Schickt bitte eine Mail an: reuterkieztheater@yahoo.de oder ruft an unter: 0151 5665 7413. Wir freuen uns auf Euch! Theater der Migranten, www.migranten-projekt.de"
Freitag, 30. September 2011
Später Sommer ...
Dienstag, 16. August 2011
Übungsraum
Noch ein Nachtrag zu neulich, zum Jazztrompeter. Mancher seiner Kollegen, die sich da so ans Ufer stellen, sollten sich lieber einen Übungsraum mieten.
Sonntag, 14. August 2011
In der U-Bahn ...
... Schönleinstraße. Au weia!
Seit dem Bankenkrach von 2008 haben sich die Werbetreibenden übrigens aus unserem U-Bahnhof zurückgezogen. Der Ort ist schlecht beleuchtet, ungepflegt, an vielen Ecken stinkt es nach Urin. Früher haben wenigstens die Farben der Werbung ihn ein wenig aufgehübscht. Neukölln ist ein Armutsbezirk, hier sehen wir es immer wieder.
Seit dem Bankenkrach von 2008 haben sich die Werbetreibenden übrigens aus unserem U-Bahnhof zurückgezogen. Der Ort ist schlecht beleuchtet, ungepflegt, an vielen Ecken stinkt es nach Urin. Früher haben wenigstens die Farben der Werbung ihn ein wenig aufgehübscht. Neukölln ist ein Armutsbezirk, hier sehen wir es immer wieder.
Sonntag, 7. August 2011
Lesebank
Wie schön, dass es im Kiez jetzt wieder mehr Buchhandlungen gibt! Und bei manchen kann sich der geneigte Leser sogar in der Sonne niederlassen und lesen, sofern es welche gibt (und er/sie zur richtigen Tageszeit vorbeischaut, wenn der Bürgersteig "auf der richtigen Seite" liegt).
Diese lange Bücherbank steht vor der Buchkönigin. Der schiere Lebensgenuss! Und die viel nettere Zierde für eine Baumscheibe als das, was hier sonst mitunter rumliegt.
Samstag, 30. Juli 2011
Dienstag, 26. Juli 2011
Wilde Müllentladung
Zu eklig ... Hier laufen die Kids Slalom um Hundekacke, weil sich der Müll um die kacktauglichen Baumscheiben herum stapelt. Der Müll wird hier
Die Nachbarn mussten das Haus verlassen, nachdem ihre Wohnungen als Eigentumswohnungen verkauft worden sind. Vorher hatte sich, weil die Stadt Berlin die Sozialwohnungszuschüsse nicht mehr bezahlt hat, die Miete ihrer Bleiben fast verdreifacht. Nein, das ist keine Rechtfertigung, nur eine Beschreibung.
Samstag, 23. Juli 2011
Vor dem Haus
Der Naherholungswert unseres Kanals ist hoch. Nur reinfallen sollte man nicht. Und im Grunde sind die Uferstraßen zusammen eine sechsspurige Autostraße, im Sommer sehr viel von Touristendampfern befahren. Was die verbrennen, möchte ich nicht so genau wissen. Es stinkt bestialisch und auf dem Balkon muss ich täglich den Feinstaub wegwischen. Dazu kommt noch der Schwerlastverkehr vom Wochenmarkt, der die Wände regelmäßig erschüttert. Unser Haus hat schon richtige Risse davon.
Kräuter oder Tomaten aus eigener Anzucht? Das können wir leider vergessen. Die Idylle ist trügerisch.
Montag, 18. Juli 2011
Tourischiff
Vom Tourischiff auf dem Landwehrkanal tönte es eben anders runter, als die sonstige Leier vom Band, und zwar (auf Englisch):
Hier rechts auf dem Dach steht Kreuzkotze, das kann ich jetzt nicht übersetzen. Wir sehen hier viele Protestnoten gegen das Establishment und gegen den Staat in diesem Bezirk, in dem viele Kreative und viele Protestler leben. Also nicht täuschen lassen durch die schönen grünen Bäume am Uferrand, das ist ein ziemlich sehr virulenter Bezirk, Kreuzberg eben.Super, nur die neuköllner Seite hamse unterschlagen, Monsieur.
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