Posts mit dem Label Aufgeschnapptes werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Aufgeschnapptes werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Freitag, 7. Juni 2019

Jingle Bells

Und dann ist da noch die Gruppe kleiner Kinder, so irgendwas um die vier, fünf Jahre, sommerlich in hellen und pastellfarbenen kurzen Hosen und T-Shirts, ein Kind hatte sogar ein Muskelshirt an, die lauthals singend sich das Ufer herunter bewegen, sie tanzen, sie marschieren, und die dabei voller Inbrunst singen: „Jingle bells, jingle bells, jingle all my way ..“, begleitet vom lauten Gelächter ihrer beiden Betreuerinnen und dem Kopfschütteln eines älteren Paares, dem sie begegnen.

Montag, 11. Dezember 2017

Goldnuggets

Unser Bezirk droht, in der Goldgräberstimmung unterzugehen. Und jetzt kennen auch schon ganz normale Hauswartsfrauen englische Fremdwörter. Wo soll das noch hinführen! Aufgeschnappt:

"Ihr Immofuzzis glaubt wohl, dass in Neukölln jeder dahergelaufene Straßenköter Goldnuggets scheißt!“ Die Hauswartsfrau, nicht mehr ganz jung an Jahren und mit ausreichend körperlichem Aplomb versehen, droht wütend mit dem Besen, als sie zwei jüngere Männer, Anzug, Krawatte, teuere Budapester-Schuhe und viel Gel im Haar, vom Hof jagt.

Später sagt sie zu einer Nachbarin: „Die ham ausjesehen wie die Zeugen Jehovas. Ich jloob, die Sektenheinis war’n mir lieber!“

Donnerstag, 6. August 2015

Urlaubspostkarte

Liebe Mama, lieber Papa,

wir sind gut in Berlin gelandet. Die Ferienwohnung liegt inmitten eines Wohngebiets mit Blick auf den Kanal. Das Wetter ist toll.

Als wir angekommen sind, wurden wir von einem alten, betrunkenen Mann übel beschimpft. Er hat behauptet, dass er früher in der Fe­rien­haus­an­la­ge gewohnt habe. Dass das früher Sozialwohnungen ge­we­sen seien. Ist es möglich, dass Sozialwohnungen heute als Fe­rien­wohn­un­gen vermietet werden?

Wir zahlen, wenn wir die Endreinigung einrechnen, 145 Euro pro Nacht. Er hat gesagt, dass seine Drei­zim­mer­wohn­ung früher 560 Euro warm gekostet habe. Und dabei sei seine Wohnung sogar über 40 % teurer gewesen als die Wohnungen in dem Viertel sonst sind. Schock! Umgerechnet auf den Preis von heute hat er für weniger als vier Nächte gezahlt!

Eigentlich könnte mir das ja egal sein. Wir machen Urlaub und freuen auf die Party! Sogar einen Balkon gibt es. Das Wetter ist super. Und wir haben auch tolle Mucke im Gepäck, die die Nachbarn sicher bald freuen wird. Das wird eine super Woche!

Alles Liebe,
Eure
Kira

P.S.: Jetzt bitte nicht aufregen, und bis Oktober ist auch noch etwas Zeit! Der Vermieter der Studentenbude hat mir eben eine Absage geschickt. Per SMS! Als hätten wir uns nicht große Mühe gegeben mit dem Original der Bankbürgschaft, beglaubigten Kopien der Ausweise, polizeilichem Führungszeugnis, Kontoauszug des Miet­bürg­schafts­kontos und dem Kurier und so! Er hat mir aber eine andere Stu­den­ten­bu­de angeboten, etwas weiter weg (das macht dann 45 Minuten Anfahrt per ÖPNV) und auch deutlich kleiner, 510 Euro im Monat. Er mailt Euch das Exposé noch heute Abend.

Jugendliche Rollkoffertouristen vor einem früheren Miethaus, Maybachufer 19

______________________________  
Foto: C.E.

Samstag, 4. Dezember 2010

Badezimmer- und Küchengespräch


Einer steht unter der Dusche - und wie immer benutzt er den Rest des Shampoos, um sich einzuschäumen. (Jeder hat so seine Schrulligkeiten, und wir sind eben eine Generation nach dem Ende des 2. Weltkriegs geboren, das hat Spuren hinterlassen.)

SIE (kämmt sich am Spiegel)
Hast du mal gelesen, was auf der Flasche steht: "Für extra Volumen und mehr Fülle"

ER (schaut konsterniert auf die Flasche)
Scheiße! Kein Wunder, dass es mir so schwer fällt, mein Gewicht zu kontrollieren.

Später sitzen sie in der Küche am Frühstückstisch. Die Küche ist eng, direkt daneben steht die Spüle. Dann gibt er ihr die Flasche mit dem Geschirrspülmittel.

ER (schelmisch)
Vielleicht sollte ich's mal damit probieren: "Entfernt auch hartnäckiges Fett" .....

Dienstag, 10. Juni 2008

Rätsel des Alltags

Ja, ich bin viel rumgekommen in letzter Zeit, sah viele Hotelzimmer an den unterschiedlichsten Orten, fand Fragen und Antworten und neue Fragen, aber eine blieb, eine dumme. Doch, doch, es gibt dumme Fragen, wenn nämlich der Inhalt, auf den sie sich bezieht, ein gar dummer ist.

Also, mein heutiges Alltagsrätsel ist dies: warum wird überall, von New York über Beijing, Tunis über Cannes, London, Paris und Berlin, nicht zu vergessen Mailand oder Rom, in den sogenannten "besseren Hotels" (oder jenen, die sich dafür halten), das Ende des Klopapiers (oder doch vielmehr ihr Anfang) der in Gebrauch befindlichen sowie der Reserverolle durch zwei Knicke, links und rechts, hochgradig akkurat aufeinander zulaufend wie die Spitze eines Pfeiles, gekennzeichnet? Wie kann es sein, dass ich derlei inzwischen überall auf der Welt finde, wo immer ich hinkomme? Was bedeutet das Zeichen? Wer sorgt für seine Verbreitung? Und, was noch erstaunlicher ist: mein Eintrag hier ist vermutlich der allererste Internetbeitrag über dieses Nicht-Thema. Wie ich darauf gekommen bin? Ich hab in den Hotelzimmern auch mal wieder fern gesehen. Was heutzutage schon als Kulturthema gilt und welche Fernsehansagerin sich für eine Journalistin hält, das ist schon erstaunlich.

Nein, ich habe keine Klopapierpfeilphobie, aber ich werd ja wohl mal fragen dürfen, wo derlei Stuss herkommt, jetzt, wo ich endlich wieder den Boden der rauhen Berliner Wirklichkeit betreten habe, wo alles so schön reell ist.

Samstag, 10. März 2007

Zwei Joggerinnen bei Dehnübungen II

Die eine: Und, woran hat's gelegen?

Die andre: Da, wo andre ein Herz haben, hat er ... eine Ladenkasse.

Montag, 5. März 2007

Fremddeutsch II

Am Abend am Maybachufer: Ich klöne mit einer Nachbarin auf der Straße, da kommt eine Familie vorbei. Der Filius ist um die drei, Daddy hält ihn auf dem Sattel des Kinderrades fest und ruft: "Gib Fuß, gib Fuß!"
Er meint wohl, dass das Kind in die Pedale treten solle.

Die Mutter läuft in den Hausflur und sagt dabei: "Isch muss noch Post gucken!", analog gebaut zu "Fernsehen gucken", nur das es nach der Post sehen heißt und im Deutschen auch Artikel gebräuchlich sind.

Die Nachbarin, selbst Mutter eines Kleinkindes, mutmaßt, es handele sich um eine türkische Familie, die jetzt mit ihrem Kind Deutsch sprechen würde, um die Integration zu erleichtern.

Dazu ein anderer Nachbar: "Zufällig kenne ich die Familie. Seine Muttersprache ist Arabisch, ihre Türkisch, daher ist die Umgangssprache der Familie Deutsch. Die Kinder, sie haben drei, beherrschen drei Sprachen nur bruchstückhaft, wenn die Infos meiner Kolleginnen stimmen." Der Mann arbeitet als Sozialarbeiter im Kiez.

Donnerstag, 10. August 2006

Zwei Joggerinnen bei Dehnübungen I

Die eine: "Immer das gleiche mit den Männern, wenn's ernst wird, verpissen sie sich."

Die andere: "Ja, während wir versuchen für die Probleme, die’s ja immer irgendwie gibt, gemeinsam Lösungen zu finden!"

Die eine: " ... da sucht ER sich doch lieber eine zu den Problemen passende Frau!"

Dienstag, 8. August 2006

Fremddeutsch I

Es geht morgens kurz nach sechs los: "Klackklack, klackklack - rumms!" Böcke aus rohem Holz werden von Anhängern geladen, oben drauf werfen Arbeiter Tischplatten. Am Ende rollen sie Planen über Gestänge aus gesteckten Leisten: Der Markt am Maybachufer öffnet gegen Mittag. Fälschlicherweise oft "Kreuzberger Türkenmarkt" genannt, ist er eigentlich ein Neuköllner Ereignis. Entlang des Ufers bilden die Stände Gassen, die sich über die Bürgersteige hinziehen. Hier gibt es en gros oder au détail Obst, Gemüse, Nähzeug, Töpfe, Gewürze, Fisch, Fleisch, seit neuem auch Biogemüse und einen Kaffeestand. Am Kottbusser Damm, gleich bei der Ankerklause, steht sogar ein Stoffverkäufer mit feinem bis grobem Leintuch, von Gardinenstoff über Möbelstoffe bis Malerleinen: alles naturweiß.

Und fast überall bekommt man gratis hinzu, wie hier auf den Schildern die Ware manchmal recht eigenwillig benannt wird: "Granny Simitis" heißt da eine Apfelsorte, dort bietet ein Stand mit Haushaltswaren "Ein Kaufswagen" an (wie viel kosten wohl zwei?) und in ein paar Wochen heißt es dann wieder: "Eßt Katsanien".

Beim Haushaltswarenstand liegen auch ein paar Visitenkarten von Geschäften aus der Nachbarschaft aus. Ein Trödelladen bietet an: "Wohnungsauf Lösungen".

Sonntag, 6. August 2006

Gelungene Integration

Am Ufer, in der Nachbarschaft. Die Dame trägt dreierlei Blumenstoff. Sie steht auf der Straße vor dem geöffneten Fenster und brüllt hinein. Die dreifach Gemusterte - Kopftuch, Bluse und Rock - hält sich dabei an einem Rollstuhl fest, in dem sie sonst in der Gegend von ihren Kindern und Enkeln spazierengeschoben wird. Auf der anderen Seite des Fensters sitzt ein in die Jahre gekommener deutscher Schmerbauch in Sportshorts auf dem Sofa und tut so, als sei er schwerhörig. Sie lässt mit rauher Stimme eine Schimpftirade äußerst korrekt ausgesprochener politisch äußerst unkorrekter Schimpfwörter los. Die Worte können zum Teil ihre Herkunft aus dem süd- bzw. südosteuropäischen Raum nicht verbergen ("Hurensohn"). Zwischendurch schnappt sie nach Luft. "Isch Anzeige machen." Der erste grammatikalisch falsche Satz.

Später erzählt sie mir, als ich die Eingangstür zum Treppenhaus aufschließe, der Nachbar des Hauses links von uns habe die Jugendlichen dazu ermutigt, im gartenähnlich angelegten Hof des Hauses rechts von uns ballzuspielen. "Aba is Privatgaten, is für kleine Kinda, nicht für große. Is Privatgaten. Isch Polizei rufen. Und der hat misch angemacht. Der denkt wohl, der kann Angst machen, nur weil isch Kopftuch trage. Schelappschwanz! Spießer!"