Posts mit dem Label Sprache werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Sprache werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Dienstag, 15. März 2011

Kreuzkölln?

Diese sprachliche Neuschöpfung ist fast schon wieder alt: Kreuzkölln wie das an Kreuzberg grenzende Gebiet des Berliner Bezirks Neu­kölln seit zwei, drei Jahren immer öfter (von der Im­mo­bi­li­en­wirt­schaft) genannt wird.


Seit langem lebe ich im Kiez und beobachte, dass jene, die hier wohnen, den neuen Begriff selten bis nie verwenden. 

Auch ich mag das ranschmeißerische "Kreuzkölln" nicht. Neukölln ist auch ohne die Vorsilbe "Kreuz" spitze!

Besonders in Geografie!

Außerdem sind wir lernfähig in meinem Kiez. Das ist in Deutschland nicht überall so. Hier die gleiche Stelle im Dezember 2010:


Damals fragte ich mich noch, wo genau Deutschland ans Mittelmeer stößt. 

Oder hat ein Betreiberwechsel stattgefunden?

______________________________ 
Fotos: Caroline Elias

Donnerstag, 10. Mai 2007

Deutsch-französische Fernsehblödeleien

... Insider-Witze, für die andren: Sorry!

Okay, okay, ich erklär' sie doch.

Ich war neulich bei RFI, dem französischen Auslandsradio, und wurde interviewt. Jemand beschwerte sich darüber, dass letztens mal wieder der Franzose, der im Tatort vorgekommen ist, wie üblich Koch, Weiberheld, Weinkenner usw. hätte sein müssen. Das mit dem Klischeefranzosen verteidigte Søren Schumann, ein rbb-Arte-Mann, augenzwinkernd, müsse so sein, weil das Progamm ja schließlich “t’as tort" heißt :-)
(Tatort, sehr französisch ausgesprochen, klingt wie: Du bist im Unrecht).

... und der Arte-Beauftragte sei der “bof tracté” (B'e'of-trag-té-r), konterte prompt der Redakteur des Radios ... (Das 'e' wäre hier das umgedrehte 'e', das als stummes 'e' oft nicht gesprochen wird.)
Ein Bof ist ein Kumpel, der Schwager eigentlich (beau frère), aber auch irgendwie ein Looser, ein Rumhänger. Tracté heißt so viel wie "flugblattisiert", das Wort gibt's irgendwie auch nicht, aber man meint, es zu verstehen. Also derjenige, der mit den Slogans anderer zugetextet wurde vielleicht.

Ohne doppelten Wortsinn, il y a le “mengengerüst” comme néologisme en Allemand - das Wort "Mengengerüst" ist für das ponderierte Zustandekommen der Arte-Programminhalte unter TV-Franzosen ein angenommenes deutsches Wort, was der neuen “Programmgrille” entspricht, von der die deutschen Kollegen sprechen, la grille des programmes: die Programmstruktur.

Was für 'ne Grille!

Montag, 7. Mai 2007

Endlich Regen! / Gefühle einer Dolmetscherin

Berlin, Regierungsviertel, das Haus einer politischen Stiftung. Der Gastgeber eröffnet die Tagung über "Afrika und der G 8-Gipfel". Er bedankt sich bei seinen afrikanischen Gästen, darunter die Premierminister von Togo und Niger, dass diese den langersehnten Regen mitgebracht hätten, denn es gab fünf Wochen lang keine Niederschläge.

Ich sitze in der Dolmetscherkabine und höre zu, wie meine Kollegin Kerstin diese Sätze überträgt.

Die afrikanischen Politiker nicken verständnisvoll.

Gleich bin ich dran. Dolmetschen ist ein geliebter Brotjob, den ich drei Tage im Monat ausübe. Er ist gut bezahlt (wenigstens: oft), er ist anerkannt (zumindest: meist) und er ist Dienstleistung pur. Es ist nicht immer leicht, mit den Sprachen zu jonglieren, wir haben Notizzettel mit Namen und Kürzeln dabei und inzwischen auch die Laptops mit direktem Netzzugang und elektronischen Wörterbüchern. Wir schreiben füreinander Worte und Zahlen auf, überwachen, ob die “Ko-Kabine” den richtigen Kanal einschaltet, oft wird mitten im Satz gewechselt, Schalten kostet Energie. Auch die Vorbereitung, sich mal eben in ein, zwei Tagen die Eckdaten des politischen und wirtschaftlichen Sachstands eines Landes oder ahnungshalber sogar eines ganzen Kontinents aufzuhelfen, ist toll und bietet mir eine schöne Gelegenheit, mein Talent zu Größenwahn und Kleingeistigkeit zeitgleich auszuleben. Größenwahn: Ich spreche mit allen Stimmen, ich sage immer "ich", wenn der zu Dolmetschende “ich” sagt, ich bin alt und jung, Mann und Frau, schwarz und weiß, Schauspieler, Regisseurin, Politiker, berühmter Schriftsteller oder Diplomatin. Kleingeistigkeit: Was ich nicht weiß an Worten, was mir im Alltag über den Weg läuft und mir komisch vorkommt, wird notiert, ich habe ganze Schuhkartons voll mit Vokabelkarteien, höre jeden Tag französisches Radio, habe immer was zum Schreiben dabei. Da ich es liebe zu lernen, ist das für mich ein sehr schöner Aspekt des Berufs.

Selbst der Stress hat sein Gutes, ich erlebe mich weniger kontrolliert, diese Art der Arbeit bringt sogar die Gnade vorübergehender Selbstvergessenheit. Was mir auch gefällt: Nach dem Einsatz bin ich frei von sonstigen Verpflichtungen. Vorher das Lesen-Notieren-Pauken, dann vor Ort das Dolmetschen, am Ende geht's nach Hause und gut is’. Kein Nacharbeiten, Lektorat, Nachbereiten, Besprechen. Und ich darf wortkarg sein. (Wer lacht hier?)
Dafür der Wechsel von Hochleistung mit hohem Adrenalinpegel - angeblich haben wir Dolmetscher so viel davon im Blut wie Piloten beim Start - und seelischer, geistiger, körperlicher Leichtigkeit. Nach einem solchen Arbeitstag bin ich kurz vor Trance: die meditative Stimmung 'danach' ist sicher das Schönste am Job.

Heute ging es auf der Tagung um wirtschaftliche Entwicklungen, Korruption und nebenbei auch um die Klimakatastrophe. In allen Bereichen wurde mir wieder deutlich, wie sehr alles mit allem zusammenhängt. Und wie wichtig das Handeln der Einzelnen ist.

Am Abend regnet es stärker. Es ist kühl geworden. Und wir erleben wieder Frühjahr nach den verfrühten Sommerwochen. Angeblich, so höre ich beim Nachhausekommen, seien schon 3/4 der Ernte durch die Trockenheit zerstört. Bald wird alles teurer. Ich beschließe, dieses Jahr privat keine Flugreise anzutreten und meine Glühbirnen alle durch "Energiesparleuchtmittel" zu ersetzen. Was für ein Wort.

Und wie zur Bestätigung trommelt der Regen weiter sein Tam-tam auf die Fensterbank aus Zinkblech.

Mittwoch, 2. Mai 2007

Auf dem Schreibtisch ...

Was ist die Arbeit einer Stadtschreiberin? Zum Beispiel Bücher überarbeiten.

Heute hatte ich ein Drehbuch in der Mangel. Es wurde auf Französisch geschrieben, hat in der Originalfassung etwa 130.000 Anschläge, Leerzeichen inbegriffen, das sind 100 Drehbuchseiten. In der deutschen Fassung sind es 145.000 Anschläge. Solch einen Text zu übersetzen dauert eine gute Arbeitswoche, ca. 50 Stunden - und dann kommt noch das Schlusslektorat. Wenn bereits eine gute Übersetzung vorliegt, bekommt ein gutes Drehbuch durch eine geübte Autorin den 'letzten Schliff'. Am Ende liest es sich so, als hätte es eine deutsche Autorin/ein deutscher Autor verfasst.

In meinem Fall dreht es sich um das Buch eines Nachwuchsautors, der als "französischer Ken Loach" gehandelt wird. Ich hatte früher für ihn schon einige Tage als Journalistin recherchiert, denn sein neuer Film soll in Berlin spielen und auch hier gedreht werden. Es geht um Lothar, einen in die Jahre gekommenen Berufsschullehrer und seine Alltagsprobleme, die auch mit der Berliner Wirtschaftskrise und der Globalisierung zusammenhängen.

Ein Teil des Films spielt in Neukölln, in Rudow, ein anderer in Kreuzberg, an einer Oberschule. Wenn es soweit ist, werde ich als Beraterin dabei sein und vielleicht eine Reportage über das Ganze drehen. Ich freue mich schon drauf.

Mittwoch, 11. April 2007

Autoportrait

Oui, vous pouvez me poser cette question. Mes
parents se sont connus à Göttingen. Tout en étant
allemands, ils étaient déracinés dans leur pays.

Mon père est saxon, ses ancêtres, des commerçants,
vivaient aussi en France, en Italie, en Anglettere. Ma mère,
native de Thuringe, porte un prénom français (Hélène).

Leurs villes étaient derrière le mur. Mais on y allait, le
retour au village, pour voir la grand-mère. De l’autre côté.
La frontière des blocs traversait le champ de bataille.

Plus tard, ne trouvant point d’attache à ces Allemagnes,
j’ai choisi ma culture de mon propre chef. Bac en main,
je me suis exilée. J’ai opté pour Paris pour y faire ma vie.

Oui, je fais mes rêves dans les deux langues. Et
soutitrés, s’il en faut. Puis, je me réveille, car j’entends
rire dans ma chambre. Cela m’amuse beaucoup.

(11.04.06)

Montag, 5. März 2007

Fremddeutsch II

Am Abend am Maybachufer: Ich klöne mit einer Nachbarin auf der Straße, da kommt eine Familie vorbei. Der Filius ist um die drei, Daddy hält ihn auf dem Sattel des Kinderrades fest und ruft: "Gib Fuß, gib Fuß!"
Er meint wohl, dass das Kind in die Pedale treten solle.

Die Mutter läuft in den Hausflur und sagt dabei: "Isch muss noch Post gucken!", analog gebaut zu "Fernsehen gucken", nur das es nach der Post sehen heißt und im Deutschen auch Artikel gebräuchlich sind.

Die Nachbarin, selbst Mutter eines Kleinkindes, mutmaßt, es handele sich um eine türkische Familie, die jetzt mit ihrem Kind Deutsch sprechen würde, um die Integration zu erleichtern.

Dazu ein anderer Nachbar: "Zufällig kenne ich die Familie. Seine Muttersprache ist Arabisch, ihre Türkisch, daher ist die Umgangssprache der Familie Deutsch. Die Kinder, sie haben drei, beherrschen drei Sprachen nur bruchstückhaft, wenn die Infos meiner Kolleginnen stimmen." Der Mann arbeitet als Sozialarbeiter im Kiez.

Donnerstag, 28. Dezember 2006

Der Fühlgutfaktor

"I feel good" sagt James Brown in den Archivaufnahmen - und der Journalist des ZDF heute-Journals gibt die Worte des "Godfather of Soul" wieder mit "Ich fühle mich gut". Dem Jazzmusiker war anlässlich seines Todes am 24.12.2006 ein kurzes Portrait in den Nachrichten gewidmet, und ohne, dass es der Redaktionsleitung aufgefallen wäre, wurde an Heiligabend falsches Deutsch zur Hauptsendezeit ausgestrahlt.

Die wörtliche Übertragung des Zitats fällt unter den Begriff "Synchrondeutsch" - früher hätte man wohl ohne zu zögern gesagt: "Es geht mir gut". Aber die immer schneller übersetzten und synchronisierten Programme nordamerikanischer Provenienz, dazu die Einflüsse von Werbe- und Gruppensprachen und nicht zuletzt die Verbreitung des Englischen als lingua franca der Wirtschaft haben unser Sprachgefühl verändert.

I feel good - auch die ARD bringt diesen Ausdruck, wenn sie Kanzlerin Merkel am Tage ihrer Wahl auf der eigenen Webseite so wiedergibt: "Lächelnd, aber unaufgeregt wie gewohnt, nahm sie Wahlergebnis und Glückwünsche entgegen. "Ich fühle mich gut", war das, was sie nach ihrem Triumph zu sagen hatte."

Angelas Ausspruch “war in 2005" - oder ließ sie ihn "im Jahr 2005" vom Stapel? Oder einfach nur: "Das war 2005" - inzwischen ist die gute Gefühlslage möglicherweise nicht mehr so eindeutig. Sind wir uns da sicher? “Nicht wirklich!” ... (not really). Oder: "Das erinnere ich nicht!" (I don't remember that).

Autoren von Filmsynchronisationen müssen sich kurz fassen, wenn die englische Vorlage kurz ist. Sie sind gehalten, am besten sogar lippensynchrone Übertragungen zu finden. So hören wir "in Deutsch" immer häufiger Ausdrücke, die "in english" durchaus korrekt sind - und auf Deutsch für viele immer seltener falsch klingen.

Paradoxerweise gelangt Synchrondeutsch sogar in die geschriebene Sprache. Immer häufiger fallen seit einigen Jahren in der deutschen Sprache Bindestriche weg, die im anglophonen Raum wenig gebräuchlich sind. Das ist genauso Ausdruck derselben Verunsicherung wie die inflationäre Zunahme falscher Apostrophs (wie sie auf Englisch durchaus richtig sind), "Moni's Schnellimbiss" beispielsweise.

Nett ist auch die "Baguette- and Croissanteria", eine Mischung von vier Sprachmustern (das implizite "Baguetteria" wäre der deutsche Beitrag), gesehen in der Berliner Kochstraße. Aber das ist ein anderes Thema.

Der Inhaber des Geschäfts ist übrigens türkischer Herkunft - und das Ladenschild sein persönlicher Beitrag zur internationalen Völkerverständigung unweit des "Checkpoint Charly" der ehemaligen Mauer.

Hoher Fühlgutfaktor also :-)

Dienstag, 8. August 2006

Fremddeutsch I

Es geht morgens kurz nach sechs los: "Klackklack, klackklack - rumms!" Böcke aus rohem Holz werden von Anhängern geladen, oben drauf werfen Arbeiter Tischplatten. Am Ende rollen sie Planen über Gestänge aus gesteckten Leisten: Der Markt am Maybachufer öffnet gegen Mittag. Fälschlicherweise oft "Kreuzberger Türkenmarkt" genannt, ist er eigentlich ein Neuköllner Ereignis. Entlang des Ufers bilden die Stände Gassen, die sich über die Bürgersteige hinziehen. Hier gibt es en gros oder au détail Obst, Gemüse, Nähzeug, Töpfe, Gewürze, Fisch, Fleisch, seit neuem auch Biogemüse und einen Kaffeestand. Am Kottbusser Damm, gleich bei der Ankerklause, steht sogar ein Stoffverkäufer mit feinem bis grobem Leintuch, von Gardinenstoff über Möbelstoffe bis Malerleinen: alles naturweiß.

Und fast überall bekommt man gratis hinzu, wie hier auf den Schildern die Ware manchmal recht eigenwillig benannt wird: "Granny Simitis" heißt da eine Apfelsorte, dort bietet ein Stand mit Haushaltswaren "Ein Kaufswagen" an (wie viel kosten wohl zwei?) und in ein paar Wochen heißt es dann wieder: "Eßt Katsanien".

Beim Haushaltswarenstand liegen auch ein paar Visitenkarten von Geschäften aus der Nachbarschaft aus. Ein Trödelladen bietet an: "Wohnungsauf Lösungen".