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Freitag, 5. März 2010

Helden!

Sag ich's nicht schon lange, der Bezirk wird im Norden immer französischer! Davon künden nicht nur die französischen Tageszeitungen der U-Bahn-Kiosks, wo die BLÖD und anderer Tabloid-Verdummungssch... nicht mehr im Mega-Stapel aufliegen, sondern geschrumpft durch anderlei Auswahl fast neutralisiert werden.

Und jetzt auch das noch! Ein Café, in dem man gebrauchte französische Bücher kaufen kann, für je nach Erhaltungszustand zwischen 2 und 5 Euro. Die Erklärung auf der Seite des neuen Cafés ist so einleuchtend wie überzeugend (im Hinblick auf meine These): "Weil das Lesen sehr schnell sehr teuer werden kann, wenn man im Ausland lebt." Und jeden Donnerstag gibt es ein französisches Gericht zum Kantinenpreis von 4 Euro.

Und wer in Berlin nicht nur Café crème, weiches Ei zum Ausditschen (oeuf à la coque avec ses mouillettes)
Armer Ritter french version (pain perdu) anbietet, sondern auch Carambar verkauft, dieser Kindertraum-in-Karamel-mit-Plomben-Garantie, der muss schon verrückt sein. Alle geborenen und gelernten Franzosen bekommen beim Ansicht dieser süßen Schrecklichkeit glasige Augen. Oder fast. Jetzt gibt's einen Ort dafür ...

Mehr folgt hier in Kürze nach einem Besuch vor Ort. Vorab schon mal Name und Anschrift des Etablissements: HEROES, geöffnet von 10.00 bis 20.00 Uhr, Friedelstraße 49, (U) Hermannplatz

Mittwoch, 10. Dezember 2008

Jimmy Woo

Seit mehr als anderthalb Jahren gibt es das vietnamesische Restaurant in der Friedelstraße schon, und mehr als die rasche Tom Kha-Suppe hatte ich dort noch nicht probiert. Bis gestern. Wir kommen am frühen Abend, es ist noch fast leer, und auch, als langsam immer mehr Leute kommen, wirkt der Raum nicht überladen. Die Ausstattung ist mit den Bordmitteln entstanden und sympathisch - und hat einige Gimmicks aufzuwarten wie den von innen erleuchteten Bilderkasten, der fast die ganze Längswand einnimmt.

Das Essen kommt rasch und überzeugt beide Testesser. Die Tofu-Spieße der Tom Kha-Suppe sehen zwar sehr nach Geflügel aus, aber sind schön kross. Die Frühlingsrollen sind drei an der Zahl, dazu drei Saucen, die Rollen sehen eher wie "Wraps" aus, munden meinem Gegenüber aber. Don, der lange in Manhatten lebte, meint denn auch, das kleine Restaurant könne sich ebensogut dort befinden. Dann essen wir leckerste Ente und gebackene Ananasscheiben mit parfumierter Honigsauce. Wir werden wiederkommen.
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Jimmy Woo, Friedelstraße 24, 12047 Berlin, keine Bank- oder Kreditkarten

Montag, 29. Oktober 2007

Gastro-Tip: Stadtklause

Ab jetzt hier in loser Folge auch kleine Gastro-Tips, wobei ich nur besondere Orte beschreiben werde. Es sind alles Geheimtips, also bitte: Nur an Ausgewählte weitersagen!

Nach der enttäuschenden Vernissage im Gropius-Bau vom Samstagabend waren wir noch in der nahegelegenen "Stadtklause", die der erste wirklich gemütliche Ort im Umfeld des Potsdamer Platzes ist.

Die Gastwirtschaft ist wie drei Eisenbahnwagons angeordnet: Ein Raum führt in den nächsten. Im ersten Zimmerchen sitzt man auf alten S-Bahn-Stühlen an dunklen Holztischen, an den Wänden historische Fotos der Umgebung, an der Stirnwand ein verglaster Ofen mit Feuerchen drin. Den zweiten Raum dominiert die dunkle Holzvertäfelung, im bleiverglasten Fenster steht Berlin-Literatur; im dritten wird angerichtet, was auf den Tisch kommt, wobei rustikale Küche überwiegt, wovon ein dicker Laib selbstgebackenen Sauerteigbrots auf einem Holzbrett kündet, der, als wir hereinkommen, gerade vom Wirt mit einem alten Leintuch zugedeckt wird.

Bier wird hier in tönernen Humpen kredenzt, dazu gibt es große Portionen Kürbis- und Zwiebelsuppe, und die Tischnachbarn stellen fest, selten so gute Bratkartoffen und Buletten gegessen zu haben. Eine Karte gibt es nicht. Wenn alles weg ist, gibt es immer noch eine "Stulle".

Zwischendurch weiter Kunst: über eine steile Treppe gelangen wir ins Obergeschoss - hier hängen derzeit Großcomics in kleinen Räumen mit knapp zwei Meter hohen Decken. In den Zimmerchen nächtigten einst die Kutscher, die ihre Fahrgäste im benachbarten Anhalter Bahnhof fanden. Die Gastwirtschaft wurde 1909 erstmals urkundlich erwähnt.

Berlin-Kreuzberg, Bernburger Str. 35, Mo-Fr 8.00-24.00 Uhr