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Dienstag, 20. März 2007

frühlingsanfang

vor einem jahr:

endlich frühling

im morgenlicht treiben die letzten schollen
des winters den landwehrkanal hinunter.
auf der größten sitzen zwei enten und
segeln flussabwärts im dunklen kleid.
auf der zweitgrößten sitzt ‘ne möve
und putzt sich ihr gefieder blank.
das weiß ihres kleides schmerzt
meinen müden augen sehr.
die dritte scholle indes ist
nur noch ein splitter.
darüber die weide
trägt plötzlich
zartgelben
flaum.


Sonntag, 11. März 2007

Ode an den Sekretär

Hier sitz ich, tage-, wochen-, jahrelang.
Du bist immer hier. Wartest geduldig.
Nimmst mir nichts übel. Nicht
Meine Launen, meine Unruhe. Mein
Fernbleiben und die Rückkehr.

Dein Holz ist weich und glatt und warm.
Dein Licht erfreut meine Augen.
Deine Form beschwingt mein Gefühl.
Du bist leicht und solide zugleich. Klar
Und verspielt. Ein Ort der Heimat.

Montag, 8. Januar 2007

Wegen Inventars geschlossen

Drei Zimmer mit Balkon, acht Fenster, die Kammer,
Küche, Bad, zwei Schreibtische, ein Sekretär,
Zwei Computer, drei Betten, zwei Buffets,
Zwei Küchenstühle am Tisch, der Herd. Sofa,
Sessel, Teppich, zwei Beistelltische, neun Regale.

Eine Vitrine, ein Esstisch mit vier Stühlen,
Schuhschrank, Flurschrank, Waschbeckentisch.
Schreibtischsessel auf Rollen, noch mehr Stühle,
Bücher, Akten, Gabel, Löffel, Topf und Teller
Wäsche, Kissen, Bilder, Lampen, Schmuck.

Zwei Radios, eine geschnitzte spanische Wand.
Ein durchschnittlicher Haushalt besteht aus 10.000 Dingen.

Samstag, 6. Januar 2007

La galette des Rois - der Dreikönigskuchen

Rund liegt er da; froh und satt
Soll er alle machen: Ein Kuchen aus
Blätterteig und Marzipan.

In acht Stücke geschnitten für sieben,
Das Achte ist für den Armen, den Gast
Der überraschend kommt

Oder auch nicht. Drin eingebacken
Eine Saubohne, heute oft eine Figur
Aus Plastik. Wer auf sie beißt

Ist König für einen Tag. Erwählt seine
Königin. Beim Trinken, Essen: Das
Derbe Publikum gröhlt. Lacht. Hat Spaß.

„Le roi boit, le roi boit!“ Am Tag der
Drei Könige spotten die Franzosen
Gern über ihre Monarchen.

Und doch will jeder König sein. Und
Königin. Und fühlt sich was bess’res.
Einen Abend lang. Vive la République!

6.1.06

Freitag, 5. Januar 2007

Am Schlachtensee (eine SMS)

Der Himmel geht baden,
Das Ufer verschwimmt.
Schwarze Striche ziehen den Blick hoch:
Die Äste.

Kaum zu glauben –
Eben noch
Haben wir hier gebadet.

Donnerstag, 4. Januar 2007

Januarträume

Am Morgen etwas mehr Licht.
Durch die geöffnete Balkontür
Schreitet ein Kätzchen.
Springt auf den Tisch.
Schaut über die Brüstung.

Ihm gegenüber (zum Glück viel Luft
Zwischen den beiden)
Ein kleiner Vogel
Im Baum. Blickt zur Katze
Und singt.

Wovon die Katze und ich träumen
Scheint klar. Wovon aber träumt
Der Vogel?

4.1.06

Dienstag, 2. Januar 2007

Unternächte

Zwischen Weihnachten und Königstag
Steht die Zeit.

Noch sind die Tage kurz,
Oder merkst Du was?

Am Firmament gehen Räuber und Gehilfen
Auf Streifzug.

Haus und Arbeit ruhn, einst ruhte auch
Die Dienerschaft.

Und während die Nächte uns eine Frist geben
Schlägt die Stunde.

Prüf Deine Pläne, bring Deine Bücher
In Ordnung.

Zwischen Weihnachten und Königstag
Steht die Zeit.

2.1.06